Russisches Öl fließt weiterhin auf die Weltmärkte – durch Hunderte von Tankern ohne Versicherung, die unter Flaggen von Drittländern fahren und offiziell in Sanktionsregistern nicht existieren. Kiew treibt nun einen konkreten Mechanismus voran, der diese Situation ändern soll.
Der Bevollmächtigte des Präsidenten für Sanktionsfragen Wladislaw Wlasyuk erklärte den Ansatz, den die Ukraine in Verhandlungen mit Partnern verfolgt: Um Schattenfahrzeuge vollständig beschlagnahmen zu können, ist nicht nur die Aufnahme eines Schiffes in eine Sanktionsliste erforderlich, sondern die automatische Anerkennung dieser Listen durch die Rechtsprechungen der Häfen, in denen die Schiffe anlaufen.
Derzeit ist das Problem technischer, aber kritischer Natur. Selbst wenn ein Tanker in das Register der USA oder der EU aufgenommen ist, ist ein Hafen in der Türkei, in den VAE oder in Indien nicht verpflichtet, ihn festzuhalten – da er keine Partei der entsprechenden Vereinbarungen ist. Das Schiff entlädt das Öl um und fährt weiter.
Nach Angaben von Wlasyuk schlägt Kiew ein zweistufiges Modell vor: erste Stufe – eine abgestimmte „schwarze Liste" von Schiffen, die von mehreren Rechtsprechungen gleichzeitig anerkannt wird; zweite Stufe – die Verpflichtung von Partnerhafen, solche Schiffe ohne zusätzliche nationale Verfahren festzuhalten. Tatsächlich geht es um eine extraterritoriale Anwendung von Sanktionen durch bilaterale oder multilaterale Vereinbarungen.
Dies ist keine neue Idee im internationalen Recht – ein ähnlicher Mechanismus funktioniert teilweise für Schiffe unter Flaggen von Ländern, die gegen Waffenembargos verstoßen. Aber der Versuch, ihn auf die kommerzielle Tankerflotte in diesem Ausmaß anzuwenden, wurde bislang nicht unternommen.
Ein aussagekräftiges Detail: Seit Beginn der großangelegten Invasion hat der Westen über 400 Schiffe der Schattenflotte in Sanktionslisten aufgenommen. Dokumentierte Beschlagnahmen in neutralen Häfen – vereinzelte Fälle.
Falls der Mechanismus Kiews tatsächlich funktioniert, würde dies einen prinzipiellen Wandel bedeuten: Sanktionen wären keine leeren Drohungen mehr für Länder, die sie offiziell nicht unterzeichnet haben. Aber genau deshalb bleibt die Frage offen: Welche konkreten Länder hat die Ukraine bereits davon überzeugt, Vereinbarungen über die automatische Anerkennung von Listen zu unterzeichnen – und bis zu welchem Termin?