Eine leise, aber wichtige Veränderung im Eigentum eines Onlinemediums
Am 25. Februar wurde der Geschäftsmann Олексій Бабенко, Eigentümer und Geschäftsführer des Drohnenherstellers «Вирій Індастрі», Eigentümer von 75 % des Unternehmens ТОВ «Бабель». Den Anteil kaufte er von der slowakischen Firma IG s.r.o.. Weitere 25 % verbleiben bei der Chefredakteurin und Mitgründerin Катерина Коберник; sie behält auch die redaktionelle Position, Änderungen im Team sind derzeit nicht geplant.
Was der neue Eigentümer sagt
„Starke und unabhängige Medien sind eine der Grundlagen eines starken und unabhängigen Staates, in dem ich leben möchte. Der Erwerb einer Beteiligung an ‚Бабель‘ ist nur der Anfang. Gemeinsam mit dem Team der Redaktion werden wir die Landschaft der ukrainischen Medien verändern können“
— Олексій Бабенко, Eigentümer «Вирій Індастрі»
Kurze Geschichte von «Бабель» und das Finanzierungsmodell
«Бабель» wurde im Herbst 2018 unter der Marke «The Бабель» gestartet. Zu den ersten Investoren zählten der Geschäftsmann Ігор Коломойський und die Topmanager von «1+1 медіа» Ярослав Пахальчук und Олександр Ткаченко. Im Dezember 2019 stellte das Medium die Arbeit vorübergehend ein, nachdem die Finanzierung eingestellt worden war, doch im März 2020 nahm es mit neuen Investoren den Betrieb wieder auf — später wurden deren Anteile auf die slowakische Firma IG s.r.o. übertragen.
In den letzten Jahren arbeitete das Medium ohne zusätzliche Investitionen seitens der Aktionäre: Die Finanzierung erfolgte durch Zuschüsse internationaler Geldgeber, Werbeeinnahmen und Spenden der Leserschaft. Die Redaktion intensivierte außerdem die Arbeit mit ihrer Community und Projekten gegenseitiger Unterstützung.
Was sich ändern wird — Risiken und Chancen
Ein solcher Deal hat zwei offensichtliche Ebenen: eine investive und eine redaktionelle. Einerseits kann das Engagement eines gut ausgestatteten Unternehmers Investitionen in Produktentwicklung, Technik und die Ausweitung journalistischer Projekte bedeuten. Andererseits schafft die Konzentration von Eigentum Risiken für die Wahrnehmung der Unabhängigkeit des Mediums, selbst wenn formal das Redaktionsteam an seinem Platz bleibt.
Fachkreise des Medienmarkts weisen darauf hin: Wenn Eigentümerwechsel ohne transparente Garantien redaktioneller Autonomie erfolgen, steigt die Verwundbarkeit gegenüber unsichtbarem Einfluss. Deshalb ist die Schlüsselfrage, ob Mechanismen zum Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit unterzeichnet und veröffentlicht werden.
Was für die Leserschaft wichtig ist
Für das Publikum ist das eine Frage des Vertrauens: Bleibt das Format kritischer Recherchen erhalten, oder ändert sich die Tonalität der Beiträge zugunsten der Geschäftsinteressen des neuen Eigentümers. Zugleich ist es eine Chance: Zusätzliche Ressourcen können die Qualität des Journalismus verbessern, Spezialprojekte ausweiten und in digitale Dienste investieren.
Fazit
Ein Eigentümerwechsel ist weder ein Urteil noch eine Garantie. Es ist der Beginn einer neuen Phase, die an den Taten, nicht an den Erklärungen gemessen werden muss. Wichtig ist nun, zwei Dinge zu beobachten: 1) ob Regeln zur redaktionellen Autonomie veröffentlicht werden, 2) welche Investitionen in Inhalte und Infrastruktur fließen. Davon hängt ab, ob der Deal ein Schritt zur Stärkung unabhängiger Medien in der Ukraine wird oder eine Prüfung ihrer Widerstandsfähigkeit.