Kohle für den Feind der Heizperiode: Fall über 12 Millionen Schaden der Centerenergo aus dem HASS herausgezogen

Das Nationale Büro zur Bekämpfung der Korruption ermittelte zwei Jahre lang, wie Staatskohle an einen privaten Händler statt an staatliche Wärmekraftwerke während des kriegsbedingten Mangels ging — doch die Schadensersatzsumme erwies sich als unterhalb der Korruptionsschwelle, weshalb das Verfahren von einem gewöhnlichen Bezirksgericht übernommen wurde.

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Фото: depositphotos.com

August 2022: Die Regierung ordnete an — Ukrvugillia verkaufte an einen Privatunternehmer

Im Sommer 2022, unter Bedingungen aktiver Kampfhandlungen und kritischen Brennstoffmangels, verpflichtete das Kabinett der Minister das staatliche Unternehmen „Ukrvugillia" durch direkte Verordnung (Nr. 838), Kohle ausschließlich an bestimmte staatliche Stromerzeuger zu liefern — insbesondere an die JSC „Centerenergo". Nach Angaben des NABU und der SAP wurde diese Verordnung jedoch absichtlich ignoriert.

Im August 2022 verkaufte „Ukrvugillia" fast 24.000 Tonnen Kohle an das Privatunternehmen „Interbis". Die Ermittlungen stellten fest: Der Nutznießer von „Interbis" ist Volodymyr Vecherko — ehemaliger Abgeordneter der Werchovna Rada aus der Partei der Regionen. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden verwickelte er sich in einer Verschwörung mit Maksym Nemtschinov — damals Berater und zuvor stellvertretender Energieminister — um den Direktor von „Ukrvugillia" Mykhailo Voloshyn zu einem rechtswidrigen Geschäft zu bewegen.

Nach dem Verkauf an „Interbis" verkaufte das Unternehmen die Rohstoffe an Dritte weiter und erzielte dabei einen Gewinn von fast 20 Millionen Hrywnja.

Nach Materialien des NABU und der SAP, die nach der Anklageverlautbarung 2024 veröffentlicht wurden

Der Schadenmechanismus: Der Staat kaufte seine eigene Kohle teurer

„Centerenergo" — ohne Vertragskohle vor Beginn der Heizperiode — musste dringend 12.500 Tonnen auf dem freien Markt suchen. Im September-Oktober 2022 beschaffte sich das Unternehmen diesen Umfang zu deutlich höheren Preisen und zahlte zu viel um fast 12 Millionen Hrywnja. Genau dieser Betrag wurde offiziell als Schaden für den Staat klassifiziert.

Hier liegt das Verfahrensparadoxon verborgen: Die Zuständigkeit des VAKS erstreckt sich auf Fälle, bei denen der Gegenstand der Straftat oder der Schaden 500 Lebenshaltungsminima übersteigt — damals über 1,2 Millionen Hrywnja. Formal übersteigt die Sache diese Schwelle. Aber das Berufungsgericht des VAKS entschied anders: Am 7. Mai 2025 übertrug es das Verfahren an das Shevchenko-Bezirksgericht Kyjiw als nicht unter Antikorruptionszuständigkeit fallend.

Drei Angeklagte, unterschiedliche Rollen

  • Mykhailo Voloshyn — ehemaliger Direktor von „Ukrvugillia", nach Angaben der Ermittlungen unterzeichnete er einen rechtswidrigen Vertrag mit „Interbis"
  • Volodymyr Vecherko — ehemaliger Abgeordneter der Partei der Regionen, Nutznießer von „Interbis", der Kohle erhielt und mit einer Spanne von 20 Millionen Hrywnja weiterverkaufte
  • Maksym Nemtschinov — ehemaliger stellvertretender Energieminister, dem vorgeworfen wird, den Direktor zu dem Geschäft bewogen zu haben; die Staatsanwälte forderten 2024 für ihn eine Kaution von 5 Millionen Hrywnja

Alle drei bestreiten ihre Schuld. Nemtschinov behauptete öffentlich, dass das Geschäft rechtmäßig war.

Bezirksgericht — nicht das Ende, aber eine Gewichtsverschiebung

Die Übertragung der Sache vom VAKS zum Bezirksgericht bedeutet nicht die Beendigung der Verfolgung, sondern ändert den Kontext: Das Shevchenko-Bezirksgericht behandelt jährlich Tausende von Fällen und verfügt nicht über spezialisierte Antikorruptionsinfrastruktur. Die Verteidiger der Angeklagten werden die Zuständigkeitsänderung vermutlich als Verfahrensargument nutzen.

Sollte das Bezirksgericht der Version der Ermittlungen zustimmen und ein Schuldurteil fällen — wird dies ein Präzedenzfall: Regelungen mit Staatsbrennstoff während militärischer Engpässe werden auch außerhalb des VAKS geahndet. Sollte das Urteil freispruchend ausfallen oder der Fall sich hinziehen — bleibt die Frage offen: Ist die bestehende Gesetzgebung ausreichend, um ähnliche Geschäfte in der Zukunft zu blockieren, wenn staatliche Ressourcen wieder unter Druck von Engpässen geraten?

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