84 % fürs Überleben: Warum Ukrainer doppelt so viel für Grundbedürfnisse ausgeben

Deloitte über LIGA.net: Zahlen, die erklären, warum die Familienbudgets in der Ukraine unter dem Druck des Krieges schrumpfen — und was das für Politik und Hilfe bedeutet.

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Kurz

Nach einer Deloitte-Studie, veröffentlicht in einem Beitrag von LIGA.net, gibt der durchschnittliche Ukrainer 84% seines Monatsbudgets für Grundbedürfnisse aus — fast doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt von 38%. Diese Zahlen sind keine Abstraktion: sie bestimmen, was wir heute kaufen, wie wir morgen planen und welche Entscheidungen Regierung und internationale Partner treffen müssen.

Was die Studie zeigte

Die größten Ausgabenposten im Jahr 2025: Lebensmittel — 40%, Nebenkosten und Miete — 31%, Gesundheitsvorsorge — 9%, Verkehr — 4%. Die Ukraine ist das einzige der betrachteten Länder, in dem der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel über einem Drittel des Budgets liegt.

"84% des monatlichen Budgets des durchschnittlichen Ukrainers fließen in die Deckung von Grundbedürfnissen"

— Deloitte (Bericht LIGA.net)

Warum das für jeden wichtig ist

Wenn mehr als drei Viertel des Einkommens für das grundsätzliche Überleben aufgebracht werden, bleibt kaum Raum für Ersparnisse, Investitionen oder die Wiederherstellung der Konsumnachfrage. In der Studie geben die Ukrainer selbst an, dass sie es für akzeptabel hielten, höchstens 46% des Budgets für Grundbedürfnisse auszugeben — die tatsächliche Belastung übersteigt diese Grenze fast um das Doppelte.

Internationaler Kontext und Folgen

Zum Vergleich: In Deutschland entfallen auf Grundbedürfnisse etwa 45%, was es den Deutschen erlaubt, 17% für Freizeit, 9% für Ersparnisse und 7% für Elektronik auszugeben — zusammen rund ein Drittel des Budgets. In der Ukraine machen diese drei Kategorien lediglich rund 4% aus. Der Unterschied unterstreicht, dass der wirtschaftliche Wiederaufbau bei uns von einer anderen Ausgangslage starten muss.

Außerdem gibt es deutliche Unterschiede bei Ausgaben für Freizeit, Elektronik und Ersparnisse: Ukrainer geben nur 1% des Budgets für Freizeit aus (gegenüber 16–20% in den meisten anderen Ländern), 1% für Elektronik (gegenüber 6–10%) und sparen 3–6 Mal weniger als in China, Japan, dem Vereinigten Königreich oder Südkorea.

"Der Krieg hat die Ukraine in Fragen der Armut um 15 Jahre zurückgeworfen"

— Weltbank (Schätzung)

Methodik

Die Umfrage wurde vom 28. November bis 11. Dezember 2025 unter Ukrainern ab 18 Jahren durchgeführt, die Smartphones nutzen. Die Stichprobe umfasste über 1 000 Befragte und war nach soziodemografischen Merkmalen quotiert.

Was als Nächstes — für Staat und Partner

Diese Daten liefern einen klaren Rahmen für politische Maßnahmen: gezielte Hilfe kann die Belastung durch Lebensmittel- und Nebenkosten senken, und Programme, die Sparen fördern sowie den Zugang zu Krediten für reale Wiederaufbauprojekte erleichtern, können mittelfristig die Ausgabenstruktur der Haushalte verändern. Wichtig ist auch, dass internationale Hilfe nicht nur die Höhe, sondern auch das Format berücksichtigt — zum Beispiel Subventionen für Energieeffizienz oder Unterstützung des lokalen Agrarsektors, die die Lebensmittelkosten senken.

Es geht nicht nur um Zahlen auf dem Papier: es geht um die Möglichkeit ukrainischer Familien, die Zukunft zu planen, in die Gesundheit und Bildung ihrer Kinder zu investieren, Geschäfte wiederaufzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen. Ob Politiker und Partner diese Erkenntnisse in konkrete Entscheidungen umsetzen können, ist die zentrale Frage der nächsten Schritte.

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