Hier arbeitet Bénédicte Pedone – Mitinhaberin und Direktorin des legendären französischen Verlags A. Pedone.
Eine intellektuelle Festung des Völkerrechts
Dies ist nicht nur ein Verlag. Es ist eine intellektuelle Festung des Völkerrechts, die seit 1837 ununterbrochen existiert. Sieben Generationen der Familie Pedone veröffentlichten Bücher, die die rechtliche Architektur Europas prägten. Hier wurden Werke von Juristen, Diplomaten und Forschern von Kriegsverbrechen gedruckt – von allen, die versuchten, eine Frage zu beantworten: Wie soll die Menschheit das Böse beurteilen.
Bénédicte setzt diese Arbeit zusammen mit ihrem Mann Arnold fort. Aber in ihrer Stimme gibt es keine aristokratische Distanz oder akademische Kälte. Sie spricht über Recht, als würde es sich um lebende Materie handeln. Als würde Gerechtigkeit nicht eine Abstraktion sein, sondern ein Weg, einem Menschen nach einer Katastrophe die Würde zurückzugeben.
«Diskussion im Recht ist Diskussion mit Worten»
– Bénédicte Pedone
Der Verlag, der das Wort «Genozid» veröffentlichte
Die Welt kennt Raphael Lemkin als die Person, die den Begriff «Genozid» prägte. Aber nur wenige wissen, dass gerade der Verlag Pedone sein Werk veröffentlichte – lange bevor das Völkerrecht nach dem Zweiten Weltkrieg zur globalen Sprache wurde. Damals waren es nur Bücher. Kleine Auflagen. Intellektuelle Diskussionen. Aber gerade diese wurden später zum Fundament für internationale Gerichte und Tribunale.
Bénédicte spricht von Lemkin nicht als von einer musealen Figur. Für sie ist er ein Mensch, dessen Idee immer noch wirkt.
«Lemkin entwickelte das Konzept des Genozids – er erschuf sogar dieses Wort selbst. Heute sprechen wir von «Ökozid» – und das ist auf gewisse Weise auch eine Fortsetzung seines Konzepts»
– Bénédicte Pedone
Es gibt etwas Symbolisches darin: Kriege beginnen mit Waffen, enden aber mit Worten. Mit juristischen Formulierungen bestimmt die Menschheit die Grenze zwischen Krieg und Verbrechen.
Eine Buchhandlung, wo der Krieg endet
Für die ukrainische Delegation, die nach Paris kam, wurde diese Buchhandlung zu mehr als nur einem Ort. Sie wurde zum Abschluss eines Gesprächs über Gerechtigkeit. In den Regalen – Veröffentlichungen der Akademie für Völkerrecht in Den Haag, Forschungen über Tribunale, Diplomatie, Menschenrechte.
Für die Ukraine klingt die These, dass jeder Krieg «unter der Schirmherrschaft des Völkerrechts» endet, fast existenziell. Denn es geht nicht nur um die Bestrafung einzelner Krimineller. Es geht um die juristische Definition des Phänomens des Rashismus selbst – den Versuch, das Böse nicht nur historisch, sondern auch rechtlich zu dokumentieren.
Bénédicte Pedone druckt seit Jahrzehnten Texte über internationale Verantwortung, Bestrafungsmechanismen, das Recht der Völker auf Schutz. Ihre Arbeit ist ein stilles, unauffälliger Kampf dafür, dass in der Welt die Sprache der Gerechtigkeit erhalten bleibt.
«Wir öffneten unsere Türen, weil es uns hätte treffen können»
Aber am meisten offenbart sich Bénédicte nicht als Verlagsdirektorin, sondern als Mensch. Nach Beginn des Vollkriegs nahm sie Ukrainer in ihrem Haus auf. Und sie spricht darüber ohne Pathos.
«Wir bekamen mehr, als wir gaben, als wir Ukrainer aufnahmen. Wir öffneten unser Haus, weil es auch uns hätte treffen können»
– Bénédicte Pedone
Dieser Satz erklärt am besten das Europa, das die Ukraine heute zu bewahren versucht. Nicht das Europa von Deklarationen – das Europa des Mitgefühls und der menschlichen Solidarität.

Kleine Auflagen, die Geschichte verändern
Pedone druckt keine Massenliteratur. Seine Bücher werden weltweit von einigen tausend Menschen gelesen – meist in Französisch, oft in sehr komplizierter juristischer Sprache. Aber genau diese Texte werden von Richtern internationaler Tribunale, von Universitätsprofessoren, von Anwälten in Kriegsverbrecherfällen zitiert.
«Wir versuchen, das Völkerrecht zu veröffentlichen, damit es dem Frieden in der Welt dient»
– Bénédicte Pedone
Und darin liegt ein Paradoxon unserer Zeit: Manchmal beeinflusst eine kleine Pariser Buchhandlung die Zukunft stärker als Dutzende von politischen Gipfeln. Denn Waffen stoppen eine Armee. Recht aber – verhindert das Wiederholen von Verbrechen.
Und solange es Menschen wie Bénédicte Pedone gibt, behält die Welt die Chance, den Unterschied zwischen Kraft und Gerechtigkeit nicht zu vergessen.

