85 Milliarden Dollar bis 2030: Kabinett billigt neue Exportstrategie, doch die vorherige blieb nur eine Erklärung

Die Ukraine hat die Messlatte für ihre Exporte fast verdoppelt – von 48 Milliarden auf 85 Milliarden Dollar pro Jahr. Doch zwischen dem unterzeichneten Dokument und dem tatsächlichen Ergebnis stand immer eine Frage: der Mechanismus.

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Фото: depositphotos.com

Am 4. Juni genehmigte das Kabinett die Exportstrategie der Ukraine bis 2030. Die Zahl des Hauptziels — 85 Milliarden Dollar jährlicher Export von Waren und Dienstleistungen — klingt ehrgeizig vor dem Hintergrund der derzeitigen 48 Milliarden Dollar. Aber die eigentliche Nachricht steckt nicht in der Zahl.

Was in der Strategie steckt

Das Dokument setzt drei Erfolgsdimensionen: Steigerung der Produktion mit höherer Wertschöpfung, Schaffung eines günstigen Umfelds für Exporteure und Stärkung staatlicher Unterstützungsinstitutionen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verringerung des Rohstoffanteils in der Exportstruktur von derzeit 87,3% auf 59%. Das heißt, fast ein Drittel dessen, was die Ukraine exportiert, soll aufhören, einfach nur Getreide oder Erz zu sein, und ein fertiges Produkt werden.

Nach Aussage von Taras Kachka, Vizeministerpräsident für Europäische Integration, wurde das Grundprinzip der Strategie zur Politik „Made in Ukraine" — der Staat soll Servicefunktionen für Unternehmen erfüllen und nicht einfach Unterstützung erklären.

Zu den konkreten Instrumenten gehören die Entwicklung einer Exportkreditagentur, die Erweiterung des Netzes von Handelsvertretungen im Ausland und multimodale Korridore zur EU. Die Strategie wurde zusammen mit Unternehmen, Branchenverbänden und internationalen Partnern entwickelt, insbesondere mit dem UNDP.

Dritte Strategie in acht Jahren

Dies ist nicht der erste derartige Versuch. 2017 genehmigte die Regierung die „Roadmap für die strategische Handelsentwicklung 2017–2021". Ergebnis — ein deklaratives Dokument, das laut der Ukrainischen Union der Industriellen und Unternehmer bereits 2019 „wichtige Aufgaben für Unternehmen nicht löste", und die Exportkreditagentur funktionierte nie vollständig. Die nächste Strategie — für den Agrarsektor bis 2026 — wurde nach Aussage von Analysten von der Regierung Hontcharuk „in unfertigem Zustand" übernommen und führte ebenfalls nicht zu systematischen Ergebnissen.

„Die 2017 nominal angenommene Exportstrategie ist ein deklaratives Dokument, das die ganze Zeit über keine wichtigen Aufgaben für Unternehmen löst"

— Ukrainische Union der Industriellen und Unternehmer, 2019

Die neue Strategie wurde unter Berücksichtigung dieser Erfahrung entwickelt: Sie wird durch einen operativen Maßnahmenplan ergänzt, und die Ziele selbst sind an messbare Indikatoren gebunden. Aber ein operativer Plan ist noch kein Gesetz mit Strafen für Nichterfüllung.

Wo liegt die echte Herausforderung

Das Wachstum von 48 Milliarden Dollar auf 85 Milliarden Dollar sieht eine Steigerung um 77% in fünf Jahren unter Bedingungen eines aktiven Krieges, zerstörter Infrastruktur und Abwanderung der Arbeitskräfte vor. Der Anteil der Exporte am BIP ist in dem letzten Jahrzehnt bereits von 49% im Jahr 2014 auf 25% im Jahr 2023 gesunken — das heißt, die Bewegung geht in die entgegengesetzte Richtung zum Ziel.

Die praktische Chance der Strategie liegt im europäischen Integrationskurs: Die Angleichung technischer Vorschriften an die EU und die Entwicklung multimodaler Logistik geben Unternehmen echte neue Märkte. Das Risiko — das gleiche wie immer: Ein Dokument ohne Zwangsmechanismus für die Umsetzung hängt vom politischen Willen jeder nachfolgenden Regierung ab.

Wenn die Exportkreditagentur endlich vollständig in Betrieb gehen wird und die ersten multimodalen Korridore zur EU bis Ende 2026 eröffnet werden — bekommt die Strategie eine Chance, nicht das Schicksal ihrer Vorgänger zu wiederholen.

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