Kurz zur Sache
Danilo Hetmantsev, Vorsitzender des Ausschusses der Werchowna Rada für Finanzen, Steuer- und Zollpolitik, warnte in einem Interview mit Forbes Ukraine vor dem Risiko einer „finanziellen Tragödie“ bereits im April. Seiner Aussage nach verwendet der Haushalt derzeit Mittel, die für das zweite Halbjahr geplant waren, und die Unsicherheit über die Umsetzung der Vereinbarungen mit dem IWF erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Liquiditätsdefizits.
Wovor Hetmantsev genau warnt
„Nicht alle Kolleginnen und Kollegen (nicht nur aus der Rada, sondern auch aus der Regierung) verspüren die Vorahnung einer finanziellen Tragödie. Ich habe sie, der Finanzminister hat sie, denn er versteht, dass es im April nichts geben wird, womit die Ausgaben finanziert werden können. Heute verwenden wir bereits die Mittel, die für das zweite Halbjahr vorgesehen waren...“
— Danilo Hetmantsev, Vorsitzender des Ausschusses der Werchowna Rada für Finanzen, Steuer- und Zollpolitik
Kontext: Was mit dem IWF vereinbart wurde und was sich geändert hat
Im November erzielten die Regierung und der IWF eine vorläufige Einigung über ein vierjähriges Programm in Höhe von mehr als $8 Mrd., das das bestehende Programm über $15,5 Mrd. ersetzen soll (von dem bereits rund $10,6 Mrd. ausgezahlt wurden). Zunächst forderte der Fonds eine Reihe von „prior actions“ — von der Besteuerung von Einnahmen digitaler Plattformen bis zur Abschaffung der zollfreien Grenze für Pakete. Nach dem Besuch der geschäftsführenden Direktorin des IWF, Kristalina Georgiewa, stimmte der Fonds zu, das Programm ohne einen Teil dieser Anforderungen zu starten, doch die meisten unpopulären Maßnahmen wurden in den Status „Leuchttürme“ (Benchmarks) mit Frist — überwiegend dem 31. März 2026 — verschoben.
Innenpolitische Dynamik: wenn Ambitionen wichtiger sind als Entscheidungen
„Ich frage einen Kollegen: Warum stimmst du nicht, du bist doch für die Wirtschaft... Er sagt: ‚Ja, ich weiß, dass das ein gutes Gesetz ist. Aber warum soll ich der Premierministerin helfen? Ich mag sie nicht‘... Das ist inakzeptabel.“
— Danilo Hetmantsev, Vorsitzender des Finanzausschusses
Hetmantsev kritisiert die Regierung wegen Inkonsistenz: Einerseits die Zustimmung zu Leuchtturm-Maßnahmen mit dem IWF, andererseits die Ausweitung von Programmen, die er als ineffizient bezeichnet (zum Beispiel ein nationales Cashback von 15 %). Eine solche Kluft zwischen Ankündigungen und Praxis erhöht nicht nur das Risiko für das Vertrauen der Geldgeber, sondern auch für die tägliche Ausführung von Ausgaben.
Warum das für die Lesenden wichtig ist
Gelingt es nicht, politische Entscheidungen zu vereinheitlichen und klar mit Partnern zu kommunizieren, kann im April ein akuter Finanzierungsengpass für Auszahlungen, Programme und Verteidigungsbedürfnisse entstehen. Das ist keine Frage nur für die Eliten — davon hängen die Stabilität von Löhnen, Renten und die Möglichkeit ab, während des Krieges kritische staatliche Funktionen weiter zu finanzieren.
Kurze szenarische Prognose
1) Wenn Parlament und Regierung abgestimmte Entscheidungen zu den Leuchtturm-Maßnahmen treffen — sinkt das Defizitrisiko deutlich, und das Vertrauen des IWF und internationaler Partner bleibt erhalten. 2) Wenn die politische Rhetorik und das Blockieren von Gesetzentwürfen anhalten — könnte der April zu einer Probe für operative politische Verantwortung werden, mit der Notwendigkeit, Notfallhaushaltsmaßnahmen zu ergreifen oder dringend externe Finanzierungsquellen zu suchen.
Fazit
Das ist nicht nur ein technischer Streit zwischen Parlament und Regierung — es ist ein Test der Fähigkeit, unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen unter Kriegsbedingungen zu treffen. Internationale Partner stützen sich auf Signale von Verantwortungsbewusstsein, und die Gesellschaft erwartet konkrete Haushaltsresultate. Nun liegt der Ball bei denen, die bereit sind, das nationale Interesse über innerpolitische Ambitionen zu stellen.