Kurz — warum das wichtig ist
Am 19. März hat das Finanzministerium einen neuen Gesetzentwurf veröffentlicht, der vier zentrale Forderungen des Memorandums mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenführt. Die Verabschiedung soll bis Ende März erfolgen — davon hängt ab, ob die Ukraine im Juni 2026 die zweite Tranche vom IWF erhält. Für die Ukrainer bedeutet das konkrete Änderungen bei der Besteuerung von Einkünften aus Plattformen, der MwSt.-Regelung für Importkäufe und dem Status von Einzelunternehmern.
Was der Gesetzentwurf vorsieht
1. Steuer auf Einkünfte aus digitalen Plattformen — ermäßigter Satz von 5%. Eine automatische Besteuerung von Plattform-Einkünften mit einem Steuersatz von 5% und einem steuerfreien Freibetrag von 2.000 Euro pro Jahr. Übersteigt das Einkommen diese Schwelle, wird die Steuer auf den übersteigenden Betrag erhoben. Die Ermäßigung gilt unter folgenden Bedingungen: Eröffnung eines separaten Bankkontos für Plattform-Einnahmen, Status — nicht selbstständig beschäftigt, keine Angestellten, kein Handel mit Verbrauchsteuern unterliegenden Waren, Jahresgrenze — bis 7,2 Mio. Hrywnja (UAH) (entspricht 834 Mindestlöhnen). Für diese Änderungen haben Uklon, Bolt, Uber und Glovo bereits ihre Unterstützung angekündigt.
2. Verlängerung der Militärabgabe. Die während des Kriegszustands eingeführten Sätze der Militärabgabe (für natürliche Personen — 5%) bleiben in Kraft, bis die Werchowna Rada eine Entscheidung über den Abschluss der Reform der Streitkräfte trifft.
3. MwSt. auf Waren aus ausländischen Marktplätzen. Die Mehrwertsteuer soll von der Handelsplattform selbst hinzugerechnet und abgeführt werden; eine Befreiung ist nur für Sendungen bis 45 Euro vorgesehen, wenn sie von Privatpersonen ohne kommerziellen Zweck verschickt werden. LIGA.net hat bereits die Gründe und Argumente für diesen Schritt erläutert.
4. MwSt. für einen Teil der Einzelunternehmer (FOP). Ab dem 1. Januar 2027 sollen MwSt.-Pflichtig werden die Subjekte des vereinfachten Systems mit einem Jahresumsatz von mehr als 4 Mio. Hrywnja (UAH). LIGA.net veröffentlichte praktische Ratschläge für Einzelunternehmer zur Vorbereitung auf diese Änderungen.
Wen und wie es spürbar verändern wird
Am stärksten betroffen sind: Freelancer und Plattformarbeiter, die Einkünfte über Dienste wie Uber/Bolt erzielen; Kleinunternehmer im vereinfachten System mit einem Einkommen in der Nähe oder über 4 Mio. UAH; sowie Personen, die regelmäßig in ausländischen Marktplätzen einkaufen. Für den Staat bedeutet das eine Ausweitung der Steuerbemessungsgrundlage und eine teilweise Automatisierung der Steuererhebung.
"Der IWF ist 'der Anker, der alle anderen Programme auf sich fokussiert'. Daher kann die Regierung die Position des IWF nicht unberücksichtigt lassen."
— Danylo Hetmantsev, Vorsitzender des Steuerausschusses der Werchowna Rada
Politischer und geoökonomischer Kontext
Eine Verzögerung bei der Verabschiedung hat reale Konsequenzen: Ohne Erfüllung der Bedingungen des Memorandums riskiert die Ukraine, keine weitere Tranche vom IWF zu erhalten. Gleichzeitig verschärfen die Blockade der Kreditgewährung durch die EU (die Frage der 90 Mrd. Euro wegen der Positionen Ungarns und der Slowakei) und die Eskalation im Nahen Osten, die Russlands Einnahmen steigen lässt, den Bedarf an stabilen internationalen Finanzmitteln für die Ukraine.
Wie es weitergeht und was zu erwarten ist
Die Plenarsitzungen der Werchowna Rada beginnen am 24. März — genau dann müssen die Politiker zeigen, ob sie bereit sind, die technischen Vereinbarungen mit dem IWF in Gesetzesform zu gießen. Wenn die Abstimmung rechtzeitig stattfindet, eröffnet das den Weg zur nächsten Tranche im Juni 2026. Wenn nicht — steigen die Risiken finanzieller Instabilität.
Frage an Gesellschaft und Wirtschaft: Werden die Abgeordneten einen Kompromiss zwischen kurzfristiger politischer Kosten-Nutzen-Abwägung der Reformen und dem langfristigen Bedarf an internationaler Finanzhilfe finden? Davon hängt nicht ein abstrakter 'Tranchen', sondern die Zahlungsfähigkeit des Staates und die Möglichkeit ab, Verteidigung und Wiederaufbau zu finanzieren.