Die Nationalbank der Ukraine führt ab dem 1. September einen neuen Wechselkurs-Benchmark ein – einen Referenzwert des Hrywnja-Kurses zum Euro auf dem Interbankenmarkt. Bislang diente hauptsächlich der Dollar als Orientierungspunkt, während der Euro über den Kreuzkurs berechnet wurde.
Ein Benchmark ist weder ein offizieller noch ein Umtauschkurs. Es ist ein Berechnungsreferenzpunkt, von dem sich Banken bei der Abwicklung von Transaktionen untereinander leiten lassen. Der Unterschied zwischen dem „Referenz"-Kurs und dem tatsächlichen Kurs kann minimal sein – doch genau dieser Unterschied bestimmt, wie viel Unternehmen zahlen, die in Euro abrechnen.
Praktische Bedeutung: Die Ukraine wickelt einen großen Teil ihres Handels mit der EU ab, und der Anteil des Euro an den Abrechnungen wächst vor dem Hintergrund der Dollarkursschwankungen. Die Anbindung des Benchmarks direkt an den Euro – und nicht über USD/EUR – beseitigt eine technische Verzerrung bei der Preisbildung.
Gleichzeitig hat die NBU die Details der neuen Berechnungsmethodik nicht offengelegt: Auf welchen Transaktionen wird sie basieren, welche Stichprobe von Geschäften wird zugrunde gelegt und wird es einen Mechanismus der öffentlichen Überprüfung geben. Ohne dies können Marktteilnehmer nicht einschätzen, inwieweit der neue Benchmark die tatsächliche Nachfrage und das Angebot widerspiegelt oder nur technische Ausreißer.
Die Änderung selbst ist ein Schritt zur Normalisierung des Devisenmarktes, auf dem der Euro einen unabhängigen Status erhält. Ob der neue Benchmark jedoch ein zuverlässiger Orientierungspunkt wird, hängt davon ab, ob die NBU die Methodik bis zum 1. September offenlegt – bisher ist dies nicht geschehen.