Im März 2026 wurden sieben Kassierer der staatlichen Ощадбанк von der ungarischen Polizei an der Grenze festgenommen. In gepanzerten Fahrzeugen befanden sich 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und 9 kg Gold, die im Rahmen einer Vereinbarung mit der Raiffeisen Bank International dokumentiert waren. Die ungarische Seite erhob Verdacht auf Geldwäsche, hielt das Personal ohne Kontakt fest und wandte nach Angaben der Bank selbst Folter gegen Mitglieder der Brigade an.
Genau dieses Ereignis wurde zum Ausgangspunkt für die öffentliche Version von Borislav Bereza – ein ehemaliger Volksdeputierter und aktiver Blogger. Er beschrieb das Schema wie folgt: Die Kassierer fahren nach Wien, kaufen dort offiziell Devisen und Gold, kehren aber statt nach Kiew zu fahren beispielsweise nach Serbien ein – wo sie die Vermögenswerte in lokalen Bankfilialen hinterlegen. Sie kehren mit Dokumenten zurück, aber mit leeren Fahrzeugen. Nach Berezas Ansicht erklärt dies die Besonderheit der Route und unterscheidet Ощадбанк von anderen Marktteilnehmern – PrivatBank, Raiffeisen und PUMB –, die ebenfalls Bargeld in Wien kaufen.
«Warum weicht nur Ощадбанk von den vier Marktteilnehmern, die Bargeld bei der Raiffeisen Bank (Wien) kaufen, von der Route ab?»
Borislav Bereza, Veröffentlichungen auf Facebook und Telegram
Ощадбанк wies diese Versionen zurück. Am 20. März qualifizierte die Bank die Aussagen öffentlich als Verleumdung und versprach rechtlichen Schutz. Anschließend reichte sie eine Klage beim Handelsgericht Wien am Ort des eingetragenen Wohnsitzes von Bereza ein und berief sich auf das österreichische Zivilgesetzbuch und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Rechtliche Unterstützung – die Kanzlei Asters, die als nationaler Berater der Bank tätig ist.
Was das Gericht entschied
Das Gericht genehmigte eine einstweilige Verfügung – also ein vorläufiges Verbot vor Prüfung der Hauptklage. Bereza ist verpflichtet:
- sich von Aussagen zu enthalten, die Ощадбанk und seine Beamten in den Umständen der „ungarischen Affäre" beschuldigen;
- bereits veröffentlichte Materialien von allen Plattformen zu löschen.
Falls Bereza die Anforderung nicht freiwillig erfüllt – hat Ощадбанк bereits Facebook und Telegram informiert, um eine Zwangslöschung zu erzwingen. Der nächste Schritt wird nach Angaben der Bank die Einreichung der Hauptklage sein, um ein endgültiges Verbot zu erhalten.
Was dies nicht regelt
Die einstweilige Verfügung ist ein Instrument der schnellen Reaktion, kein Grundurteil. Das Gericht prüfte nicht, ob Berezas Version zuverlässig ist: Es bewertete nur die Ausreichendheit der Beweise für eine vorübergehende Beschränkung. Unterdessen hob die ungarische Seite im Mai 2026 alle Entscheidungen bezüglich der Kassierer auf – das Einreiseverbot, die Abschiebung, die Registereinträge – und erkannte damit faktisch die Festnahme als rechtswidrig an. Selenskyj bestätigte Gold und Mittel bereits am 6. Mai als zurückgegeben.
Bereza zog seinerseits keine einzige Aussage öffentlich zurück und kommentierte die Gerichtsentscheidung nicht umfassend.
Die Frage, die das Ergebnis der Hauptklage bestimmen wird: Wird Ощадбанk dem Gericht eine Prüfung der Routen aller Kassiererflüge vorlegen – nicht nur Dokumente zu einer bestimmten Beförderung? Ohne dies wird das Gericht einen einzelnen Fall bewerten und nicht die Systematik, die Bereza beschrieb.