360.000 oder 25.000? Widersprüchliche Angaben zum russischen Kontingent in Belarus und ihre Bedeutung für die Sicherheit

Ein deutscher Abgeordneter nannte 360.000 russische Soldaten in Belarus — die GUR (ukrainische Militäraufklärung) entgegnet, dass solche Angaben nicht vorlägen. Warum das jetzt für die Ukraine und Europa wichtig ist und wie man diese Signale ohne Panik einordnen sollte.

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Kurz

Am 16. Dezember 2025 erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter, es gebe angeblich die Aufstellung von etwa 360 000 Soldaten der Russischen Föderation in Belarus. In einer Antwort auf eine Informationsanfrage von LIGA.net stellte die Hauptverwaltung zur Aufklärung (GUR) fest, dass diese Zahl Stand 23. Dezember 2025 nicht bestätigt ist.

"Es handelt sich um etwa 360 000 Soldaten"

— Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU)

Was der Nachrichtendienst sagt

Nach Angaben der GUR befindet sich auf dem Gebiet von Belarus ein begrenzter Kontingent russischer Truppen — schätzungsweise zwischen 2 000 und 25 000 Personen. Diese Einheiten erfüllen Aufgaben als Teil einer gemeinsamen Gruppierung Russlands und Belarus. Der Nachrichtendienst hat hingegen keine Anzeichen für die Bildung von offensiven oder schlagkräftigen Gruppierungen festgestellt, die eine unmittelbare Bedrohung für die Ukraine oder NATO-Staaten darstellen könnten.

"Anzeichen für die Bildung auf dem Gebiet der Republik Belarus von offensiven oder schlagkräftigen Gruppierungen der Streitkräfte der Russischen Föderation, die eine unmittelbare Bedrohung für die Ukraine oder NATO-Mitgliedstaaten darstellen könnten, wurden nicht festgestellt"

— Hauptverwaltung zur Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine

Warum die Abweichung bei den Zahlen wichtig ist

Unterschiedliche Einschätzungen — von spektakulären Dimensionen bis zu moderaten — beeinflussen die Politik der Verbündeten, Haushaltsentscheidungen und den Umfang der Mobilisierung von Ressourcen. Große Zahlen wirken als Signal: Sie erhöhen den Druck auf den Westen, zwingen Politiker zum Handeln und können Teil einer Informationsoperation sein. Gleichzeitig kann auch ein "begrenztes Kontingent" als Plattform für Übungen, Logistik oder die Stationierung von Systemen dienen, was die Risiken mittelfristig erhöht.

Die GUR warnt außerdem, dass die russische Armee bis 2027 ein bestimmtes Niveau an Gefechtsbereitschaft erreichen könnte — ein Zeitmarker, der unsere Prioritäten in Aufklärung, Flugabwehr und Zusammenarbeit mit Partnern prägen sollte.

Neben den Aussagen von Politikern gab es Berichte über mögliche Verlegungen von Einheiten und Technik (unter anderem Hinweise auf das Projekt "Oreshnik" auf einem ehemaligen Flugplatz) sowie über die Platzierung von Ausrüstung zur Steuerung von Drohnen. Nach Angaben von Reuters und Erklärungen ukrainischer Behörden bedürfen diese Signale Aufmerksamkeit, doch bleibt die Differenz zwischen Meldungen und bestätigten nachrichtendienstlichen Daten erheblich.

Wie weiter vorgehen (analytisches Fazit)

Panik ist nicht angebracht, aber Ignorieren wäre gefährlich. Überzogene Zahlen können ein Druckmittel sein oder eine fehlerhafte Interpretation von Bewegungen von Material und Personal. Unsere Antwort muss systematisch sein: Ausbau der Aufklärung, rasche Überprüfung von Quellen, Koordination mit Partnern und konkrete Schritte zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit.

Die Frage für die kommenden Jahre ist einfach: Werden die Deklarationen und Befürchtungen in reale Investitionen und operative Entscheidungen der Verbündeten umgesetzt? Davon hängt ab, mit welchem Grad an Bereitschaft wir den Jahren 2026–2027 entgegentreten werden.

Kurz: Behauptungen über 360 000 sind ein Grund für erhöhte Aufmerksamkeit, aber kein Beweis für eine massive Aufstellung. Der Nachrichtendienst dokumentiert deutlich geringere Ausmaße und betont die Notwendigkeit von Vorbereitung und Koordination.

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