Italien ist gegen die Rückkehr der Flaggen Russlands und Belarus bei den Paralympics — was ändert das für die Ukraine?

In Rom wurde offiziell daran erinnert, dass die umfassende Invasion im Jahr 2022 die olympische Waffenruhe verletzt hat. Warum die Entscheidung des IOC, die Symbolik Russlands und Weißrusslands wiederherzustellen, diplomatischen Druck auslöste — kurz und mit Fakten.

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Зимова Олімпіада в Італії (Фото: Matteo Corner / EPA)

Klare Haltung in Rom: nicht um Politik — sondern um Respekt

Der italienische Sportminister Andrea Abodi hat die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) offen kritisiert, russische und belarussische Symbolik bei den Winter-Paralympischen Spielen in Italien zuzulassen. Abodi erinnerte an eine entscheidende Tatsache: Die großangelegte Invasion Russlands begann zwischen den Olympischen Spielen und den Paralympischen Spielen in Peking 2022 — damit wurde faktisch das Prinzip des olympischen Waffenstillstands verletzt, an das sich die Staaten während der Spiele halten.

"Die Entscheidung, Flagge, Hymne und Uniform des Aggressorstaaten und seines Verbündeten wiederherzustellen, ruft Empörung und Besorgnis hervor"

— Andrea Abodi, italienischer Sportminister

Abodi wies darauf hin, dass die UN‑Generalversammlung im November 2025 eine Resolution im Zusammenhang mit der Verletzung des Waffenstillstands unterstützt hat — 165 von 193 Ländern stimmten dafür. Seiner Ansicht nach geht es hier nicht um Politik im Sinne parteipolitischer Spiele, sondern um elementaren Respekt gegenüber den Betroffenen und gegenüber internationalen Normen.

Reaktion der Ukraine und diplomatischer Mechanismus

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bestätigte diese Position: Er forderte dazu auf, auf eine Teilnahme an der Eröffnungsfeier zu verzichten, falls die Entscheidung des IPC nicht revidiert werde. Sybiha dankte Abodi für die "Stimme der Vernunft" und berichtete, dass sich bereits Regierungsvertreter aus acht Staaten sowie Vertreter der EU dem Boykott angeschlossen hätten — und diese Liste seiner Aussage nach tendenziell wachse.

"Ich wiederhole erneut den Appell der Ukraine an Regierungsvertreter aller Länder, auf eine Teilnahme an der Eröffnungsfeier zu verzichten..."

— Andrij Sybiha, ukrainischer Außenminister

Der Grund für diese scharfe Reaktion ist einfach: Die Entscheidung des IPC im September 2025, die nationalen Symbole Russlands und Weißrusslands wieder zuzulassen, fiel faktisch nur wenige Stunden vor der Wiederwahl des Präsidenten der Organisation (Andrew Parsons) — das nährte Zweifel an der Transparenz des Verfahrens und an politischen Motiven. Für die Ukraine und ihre Partner ist das nicht nur eine Frage der Symbolik, sondern eine Frage des Präzedenzfalls und des Vertrauens in internationale Sportinstitutionen.

Kontext der Vorfälle bei den diesjährigen Spielen

Die begleitende Chronik verschärft die Lage: Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele trug das Schild der ukrainischen Mannschaft eine in Russland geborene, in Italien lebende Frau, die sich gegen den Krieg engagiert — das führte zu einer Forderung nach Untersuchung durch das ukrainische Außenministerium. Außerdem wurde ein ukrainischer Skeletonfahrer disqualifiziert, weil er beabsichtigte, mit einem "Erinnerungshelm" aufzutreten, auf dem Bilder gefallener Sportler zu sehen waren — das IOC wertete dies als Verstoß gegen die Olympische Charta.

  • Fragen der Symbolik und des Abstands zum Aggressor beeinflussen bereits die Wahrnehmung der Spiele und internationale Entscheidungen.
  • Für viele Länder ist dies eine Bewährungsprobe: Können Sportorganisationen den Schutz der Rechte der Sportler mit einer prinzipiellen Haltung gegenüber dem Völkerrecht verbinden?

Wie weiter — Prognose

Der diplomatische Effekt ist bereits spürbar: Stimmen von Regierungsvertretern und Partnern drängen darauf, dass Erklärungen in praktische Schritte münden — von Boykotten der Zeremonien bis hin zu Forderungen, die Entscheidung des IPC zu überprüfen. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Wahl: Normalisierung der Symbole des Aggressorstaaten ohne Folgen zuzulassen oder auf einer Grenze zu bestehen, die sowohl die Sportler als auch die moralischen Standards des Weltsports schützt.

Ob es den Führungspersonen der Sportverbände und den Partnerstaaten an politischem Willen fehlt oder ob sie bereit sind, diese Standards zu verteidigen — das ist eine Frage, die nicht nur das Image der Spiele, sondern auch das Vertrauen in globale Institutionen für die Zukunft beeinflusst.

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