Am 23. April führte Verteidigungsminister Israel Katz eine Sitzung mit dem Generalstabschef der IDF, Generalleutnant Eyal Zamir, und anderen hochrangigen Offizieren durch. Danach machte er eine Erklärung, die unter normalen Umständen ein diplomatischer Skandal gewesen wäre.
«Wir warten auf grünes Licht von den USA, vor allem um die Vernichtung der Khamenei-Dynastie zu vollenden und den Iran durch die Zerstörung seiner wichtigsten Energieanlagen ins finstere Steinzeitalter zurückzuwerfen».
— Israel Katz, Verteidigungsminister Israels, Times of Israel
Katz zufolge sind die Ziele bereits definiert, die IDF ist sowohl zur Verteidigung als auch zum Angriff bereit. Die iranische Führung beschrieb er als geschwächt: «Ihre Anführer verstecken sich in Tunneln und können kaum kommunizieren und Entscheidungen treffen. Sein Himmel ist weit offen».
Warum «grünes Licht» keine Rhetorik ist
Die Besonderheit der Erklärung liegt nicht in ihrem Ton, sondern im Kontext. Genau jetzt führen die USA Atomverhandlungen mit dem Iran: Die erste Runde fand am 12. April im Oman statt, die zweite am 19. April in Rom unter Vermittlung derselben Omaner. Die Verhandlungen werden vom Sondergesandten Steve Witkoff und dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi geführt.
Mit anderen Worten, Katz positioniert Israel öffentlich als eine Partei, die nicht die Diplomatie blockiert — behält aber die Waffe griffbereit und wartet auf ein Signal von jenem Partner, der derzeit am Verhandlungstisch mit dem Feind sitzt.
Anschlag auf Infrastruktur: die rechtliche Dimension
Die Erklärung über die Zerstörung von «Energie- und Stromobjekten» rief sofort eine Reaktion von Juristen hervor. Gezielte Anschläge auf Zivilinfrastruktur sind nach internationalem Recht Kriegsverbrechen, worauf Dylan Williams vom Center for International Policy hinwies und Katz' Worte als «offizielle Erklärung der Absicht, weitere Kriegsverbrechen im Iran zu begehen» bezeichnete. Premierminister Netanjahu hat bereits einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs — für Aktionen im Gazastreifen.
Was bedeutet «diesmal wird es anders»
Katz betonte, dass der neue Schlag «anders und tödlicher» sein wird im Vergleich zu früheren israelischen Angriffen auf den Iran. Seinen Aussagen zufolge hat der Iran bereits «massive Schläge» erlitten, die seine Grundlagen zerstört haben — und die nächste Welle soll sie vollenden.
Parallel erklärte Trump, dass der Iran sich bereit erklärt hat, seine Bestände an hochangereichertem Uran an die USA zu übergeben — Teheran dementierte dies innerhalb weniger Stunden. Die Verhandlungen stehen unter Druck: Die iranische Seite weigert sich, das Waffenstillstandsabkommen zu verlängern, wenn die Kontrolle über die Straße von Hormus nicht in die Vereinbarung aufgenommen wird.
Die sich abzeichnende Struktur: Die USA führen Verhandlungen — Israel übt Druck aus. Die öffentliche Erklärung von Katz könnte Teil dieser Taktik sein. Oder sie könnte ein Signal sein, dass Jerusalem nicht mehr bereit ist, darauf zu warten, dass Washington entscheidet, welche Vereinbarung es befriedigend findet.
Falls die Verhandlungen nach Ablauf der 60-Tage-Frist, die Trump Teheran am 12. April setzte, scheitern — wird Washington dem israelischen Ersuchen um «grünes Licht» standhalten können?