Ehemalige Beamte ohne Mandat, „Gazprom" am Verhandlungstisch und das fünfte Treffen in Folge — Außenministerium über Baku

Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums Georgij Tychyj bezeichnete das Treffen in Baku zwischen ehemaligen deutschen Amtsträgern und Putin-Verbündeten als nahezu bedeutungslos: Die Ukraine habe keinen der Teilnehmer bevollmächtigt, und das Format stelle bereits das fünfte seit 2022 dar, ohne dass es zu öffentlichen Ergebnissen geführt habe.

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Георгій Тихий (Фото: МЗС)

Als am 12. Juli der Flug „Berlin–Baku" in der aserbaidschanischen Hauptstadt landete, befanden sich unter den Passagieren zwei Menschen, deren Namen noch vor einigen Jahren in den Schlagzeilen führender Medien auftauchten. Heute charakterisierte der Sprecher des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Ukraine, Heorhii Tykhyi, ihr Treffen mit einem Satz.

«Das Treffen war so geheim, wie es unwichtig war. Irgendwelche Leute, deren Namen praktisch nicht mehr gegoogelt werden, treffen sich und sprechen über etwas. Die ukrainische Seite hat niemanden von ihnen zu irgendetwas bevollmächtigt».

Heorhii Tykhyi, Sprecher des Außenministeriums der Ukraine

Wer saß am Tisch

Nach Angaben von Bloomberg und den Publikationen Die Zeit und ARD Kontraste setzte sich die inoffizielle deutsche Delegation aus Ronald Pofalla – ehemaliger Leiter des Büros der Bundeskanzlerin Angela Merkel – und Matthias Platzeck, ehemaliger Ministerpräsident des Bundeslandes Brandenburg, zusammen. Mit ihnen war auch Tim Guldiman, ehemaliger Schweizer Botschafter in Deutschland. Von russischer Seite waren Waleri Fadejew, Leiter des Rats beim Präsidenten der Russischen Föderation für Zivilgesellschaft, und Viktor Subkov, ehemaliger Vizeministerpräsident und derzeitiger Aufsichtsratsvorsitzender von «Gazprom», anwesend. Die Anwesenheit eines amtierenden Vertreters des Kremls-Gasmonopolisten bei informellen „Friedens"-Gesprächen ist ein Detail, das öffentliche Kommentare auslassen.

Aserbaidschan erfuhr aus den Nachrichten

Präsident Aserbaidschans Ilham Aliyev bestätigte das Treffen, betonte aber: Sein Land sei als Plattform ohne vorherige Benachrichtigung genutzt worden. Nach Aliyevs Angaben überprüfte die aserbaidschanische Seite die Daten des Grenzschutzes – sie stimmten mit den Namen überein, die in Medienpublikationen erwähnt wurden. Subkov und Fadejew flogen am selben Tag, dem 12. Juli, von Moskau an. Gleichzeitig fügte Aliyev hinzu, dass, wenn das Treffen tatsächlich zum Ende des Krieges beitragen kann – Baku begrüßt dies nur.

Das fünfte Treffen – kein öffentliches Ergebnis

Wie The Times berichtet, war das Treffen in Baku mindestens das fünfte seit 2022: ähnliche Treffen fanden bereits in Hotels in Baku und Abu Dhabi statt. Keines von ihnen hatte ein veröffentlichtes Abschlussdokument, eine Mitteilung oder auch nur eine gemeinsame Erklärung der Teilnehmer. Kanzler Friedrich Merz distanzierte sich auf einer Pressekonferenz von den Verhandlungen: Die Bundesregierung hatte vor dem Treffen nichts damit zu tun.

  • Format: inoffiziell, ohne staatliches Mandat von einer Seite
  • Umsetzungsmechanismus: nicht vorhanden – es gibt weder ein Dokument noch eine bevollmächtigte Partei
  • Position Kiews: die Teilnehmer haben keine Befugnisse von der Ukraine
  • Position Berlins: die Merz-Regierung ist offiziell nicht beteiligt
  • Position Bakus: das Territorium wurde ohne Wissen der Behörden genutzt

Inoffizielle Diplomatie existiert als Instrument – sie ermöglicht es Regierungen, Signale ohne offizielle Verpflichtungen auszutauschen. Aber nach fünf Runden in vier Jahren liegt die Frage nicht mehr darin, ob solche Treffen stattfinden sollten. Die Frage ist anders: Wenn die sechste Runde erneut weder ein Mandat aus Kiew noch ein öffentliches Ergebnis hat – macht es dann noch Sinn, dies Diplomatie zu nennen und nicht ein Ritual?

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