In der Nacht zum 2. Juli haben Einheiten der ukrainischen Verteidigungskräfte das Ölraffinerie-Werk „Lukoil-Nischnekamsk" (NORSI) in Kstowo in der Region Nischni Nowgorod angegriffen. Der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine bestätigte Treffer und einen Brand auf dem Gelände des Unternehmens. Dies ist der dritte Angriff auf das Objekt in nur fünf Monaten zwischen Mai und Juli.
Ein Werk, das sich nicht erholen kann
NORSI ist kein gewöhnliches Objekt. Nach Angaben der Ekonomichna Pravda kann das Werk etwa 15–17 Millionen Tonnen Öl pro Jahr verarbeiten und etwa 5 Millionen Tonnen Benzin sowie über 5 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff produzieren. Dies macht es zu einer der fünf größten Raffinerien Russlands und zu einem der Treibstofflieferanten für die Armee.
18. Mai — erster Angriff, Brand. 20. Mai — Wiederholung: Reuters berichtete damals, dass die Rohölverarbeitungsanlage AVT-6 stillgelegt wurde, die 53% der Kapazität des Unternehmens bereitstellt — 25.700 Tonnen pro Tag. Jetzt — 2. Juli, und wieder Feuer.
„Die Stilllegung der CDU-6-Anlage bei NORSI wird zu einer starken Verringerung der Produktion in der Raffinerie führen, was zusätzliche Unsicherheit für den russischen Energiesektor und die Treibstoffversorgung mit sich bringt".
Reuters nach dem Angriff vom 20. Mai
Treibstoffkrise — kein Prognose mehr
Die Angriffe auf NORSI sind Teil eines größeren Bildes. Nach Schätzungen von Analysten der Energy Intelligence haben Drohnen allein im Mai russische Raffinerien 16-mal erfolgreich getroffen, wobei acht der zehn größten Werke des Landes angegriffen wurden. Nach Berechnungen von UNIAN hat Russland fast ein Drittel seiner Ölverarbeitungskapazität verloren.
Nach Angaben der UNN führten die Verteidigungskräfte im Juni allein über 20 Fernzielschläge gegen Objekte auf russischem Territorium durch, darunter sieben Raffinerien und zwei Öllagerstätten. Anfang Juni sank das Ölverarbeitungsvolumen in der RF unter 4 Millionen Barrel pro Tag.
In derselben Nacht wurde parallel auch eine Eisenbahnbrücke in der Region Luhansk getroffen — ein weiteres Glied in der Logistikkette der Armeeversorgung.
Dreimal auf ein Ziel: Logik oder Mangel an Zielen?
Die wiederholten Angriffe auf NORSI werfen eine praktische Frage auf: Das Werk kann nicht dauerhaft außer Betrieb genommen werden, oder die Ukraine verweigert ihm bewusst die Genesung — sie schlägt zu, jedes Mal wenn Reparaturbrigaden die dringendsten Arbeiten abgeschlossen haben. Das zweite Szenario ist effizienter: Anstelle eines zerstörerischen Schlages — ein chronisches Produktionsversagen, das weder durch Versicherung noch durch Ausrüstungsimporte unter Sanktionen behoben werden kann.
Wenn nach dem Angriff im Juli Daten über die Stilllegung einer weiteren Rohölverarbeitungsanlage erscheinen, wird dies genau diese Taktik bestätigen. Wenn das Werk bereits eine Woche später mit voller Kapazität wieder in Betrieb geht — wird die Strategie der Erschöpfung in Frage gestellt.