Sergij Kyslyzja, ständiger Vertreter der Ukraine bei der UNO, hat Neu-Delhi eine unbequeme Frage öffentlich gestellt: Bemerkt Indien das Muster zwischen Modis Besuchen bei Putin und den darauffolgenden massiven Raketenangriffen auf ukrainische Städte?
Der Diplomat erinnerte an ein konkretes Beispiel. Im Sommer 2024, als der indische Premierminister zu einem offiziellen Besuch in Moskau weilte und sich demonstrativ mit Putin umarmte, traf eine russische Rakete das Kinderkrankenhaus „Ochmadyt" in Kiew. Kinder starben. Modi äußerte damals „Schmerz und Wut" — aber erst, nachdem das Foto der Umarmungen die ganze Welt umrundet hatte.
Kyslyzja warf Indien keine Mittäterschaft vor. Seine These ist präziser und dadurch um so schärfer: Der „besondere und privilegierte Partner" Russlands — ein offizieller Status, auf den sich Neu-Delhi stolz beruft — funktioniert ohne jeden Mechanismus der Verantwortung. Indien kauft russisches Öl mit Rabatt, erhöht das Handelsvolumen, sichert Moskau diplomatische Deckung auf internationalen Plattformen — und positioniert sich gleichzeitig als neutraler Friedensstifter.
Diese Dissonanz ist kein neues Thema, aber Kyslyzja hat sie durch eine konkrete Person unter den Trümmern eines konkreten Krankenhauses zugespitzt. Genau so funktioniert ein Argument, das schwer mit prozeduralen Formulierungen über die „Multivektoralität" der indischen Außenpolitik zu parieren ist.
Neu-Delhi antwortet traditionell, dass es eine diplomatische Regelung unterstütze und sich „um alle Seiten sorge". Aber Sorge ohne Druck ist eine Position, die demjenigen nutzt, der weiter vorstößt.
Die Frage, die nach Kyslyzjas Worten in der Luft hängt: Wird Indien die Rhetorik in Taten umwandeln — und wenn ja, welcher konkrete Preis sollte für die nächste Umarmung mit Putin gelten?