Am 15. April veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium eine Liste von Unternehmen aus 12 Ländern — Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Dänemark, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Spanien, Italien, Türkei und Israel. Nach Angaben des Ministeriums stellen diese Unternehmen Angriffsdrohnen oder deren Komponenten für die Ukraine her. Zusammen mit Adressen — eine direkte Warnung: Die Verstärkung der Drohnenlieferungen führe zu „unvorhersehbaren Konsequenzen" und „einer scharfen Eskalation auf dem gesamten europäischen Kontinent".
Am nächsten Tag präzisierte der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrats der Russischen Föderation Dmitri Medwedew das, was das Verteidigungsministerium selbst nicht tat — er setzte die Punkte auf die i.
„Das ist eine Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte. Wann die Schläge Realität werden, hängt davon ab, was als nächstes kommt. Schlaft ruhig, europäische Partner!"
Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrats der Russischen Föderation, in einem Post auf X
Auf der Liste sind zwei tschechische Unternehmen. Am 16. April berief der tschechische Außenminister Petr Matzinger den russischen Botschafter in Prag zu Erklärungen ein. Nach Angaben des Außenministeriums sollte der Botschafter Anfang der nächsten Woche zu einem Treffen erscheinen.
Was wirklich in dieser Liste steht
Die Zuverlässigkeit der „Geheimdienstinformationen" des russischen Verteidigungsministeriums wurde sofort angezweifelt. Journalisten der Meduza überprüften eine der Münchner Adressen aus der Liste — an den Koordinaten, wo angeblich eine „geheime Zweigstelle eines ukrainischen Militärwerks" ansässig sein soll, befindet sich ein gewöhnliches Wohnhaus. Der litauische öffentliche Rundfunk LRT stellte fest, dass die von den Russen angegebene Straße in Vilnius die Registrierungsadresse von über 700 Unternehmen ist — keines davon ist mit der Drohnenproduktion verbunden.
Die Veröffentlichung der Liste erfüllt also nicht eine Geheimdienst-, sondern eine Kommunikationsfunktion: Die europäischen Unternehmen und Regierungen sollen zweimal nachdenken, bevor sie Verträge mit der Ukraine zur Herstellung von Drohnen unterzeichnen.
Warum jetzt
Die Veröffentlichung der Liste ist nicht spontan. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums soll die Führung einer Reihe europäischer Staaten am 26. März beschlossen haben, die Produktion und Lieferung von Drohnen an die Ukraine zur Führung von Angriffen auf russisches Territorium zu erhöhen. Mehrere EU-Länder haben tatsächlich Pläne zur Vertiefung der Verteidigungszusammenarbeit mit Kiew angekündigt, einschließlich der gemeinsamen Produktion von Drohnen.
- Die Niederlande unterzeichneten ein Verteidigungsabkommen mit der Ukraine.
- Eine Reihe von EU-Ländern kündigte öffentlich die Absicht an, von den Kampferfahrungen der Ukraine mit Drohnen zu lernen.
- Parallel dazu wurde in Brüssel das Konzept einer „Drohnenmauer" an der Ostgrenze der Allianz erörtert.
Vor diesem Hintergrund ist die Veröffentlichung der Liste ein Versuch Moskaus, die Kosten für die Zusammenarbeit mit der Ukraine festzulegen: nicht Sanktionen oder diplomatischer Art, sondern eine direkte Bedrohung der physischen Infrastruktur.
Reaktion: Prag ist die erste, aber nicht die einzige betroffene
Tschechien reagierte am schnellsten, aber auf der Liste befinden sich Unternehmen aus 11 europäischen Ländern. Nach Angaben von Reuters nannte das tschechische Außenministerium die Erklärungen „Aussagen, die sich auf eine Reihe tschechischer Unternehmen bezogen, die Moskau als mögliche Ziele für Anschläge definiert hat". Kein anderes EU-Land kündigte bis zum 16. April an, seinen Botschafter in Russland einzuberufen.
Dies ist entweder diplomatische Zurückhaltung oder das Fehlen einer koordinierten Antwort — was an sich ein Signal für Moskau ist.
Falls die EU-Länder, deren Unternehmen auf der Liste stehen, keine gemeinsame Position entwickeln — etwa durch eine Erklärung des Hohen Vertreters für Außenpolitik oder auf Ebene des EU-Rats — wird Russland die Bestätigung erhalten, dass die Taktik des individuellen Drucks auf Staaten wirksamer ist als jedes Sanktionspaket.