Muraev erhielt neuen Verdacht vom SBU: Propaganda als Kriegsinstrument

# Der SBU verdächtigt einen ehemaligen Abgeordneten der Rechtfertigung und Leugnung der russischen Aggression. Was bedeutet das rechtlich – und warum der Fall Murajew wichtiger ist als eine einzelne Person.

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Євген Мураєв (Скриншот з інтерв’ю)

Der Sicherheitsdienst der Ukraine hat dem ehemaligen Volksdeputierten Jewhen Murajew eine neue Anschuldigung mitgeteilt. Ihm wird die Rechtfertigung und Leugnung der bewaffneten Aggression Russlands gegen die Ukraine vorgeworfen – Artikel, die erst nach dem 24. Februar 2022 ins Strafgesetzbuch aufgenommen wurden.

Murajew ist kein neuer Name im Kontext pro-russischer Aktivitäten. Schon vor der Vollskaleninvasion war er Eigentümer des Fernsehkanals „NewsOne", dem die Nationale Medienkommission wiederholt Verwarnungen erteilte, weil er Narrative verbreitete, die dem Kreml nützlich sind. Im Januar 2022 nannte ihn der britische Geheimdienst unter den Personen, die Moskau angeblich als Kandidaten für die Rolle eines Marionettenführers der Ukraine in Betracht zog. Murajew selbst bestritt dies.

Die neue Anschuldigung ist nicht die erste. Das bedeutet, dass die Ermittlungen neue Episoden festhalten oder die Beweisbasis für vorhandene Vorwürfe erweitern. Das Problem besteht darin, dass eine Anschuldigung im ukrainischen Recht ein Anfang ist, keine Verurteilung. Zwischen „der SBU verdächtigt" und „das Gericht verurteilt" liegt ein Abgrund, den das inländische Justizsystem langsam überwindet, und Fälle gegen pro-russische Medienpersonen überwindet ihn besonders langsam.

Der breitere Kontext ist grundsätzlich wichtig: Russland führt einen Informationskrieg nicht nur mit Raketen und Drohnen. Narrative über „brüderliche Völker", „NATO-Provokationen" oder „westliche Verantwortung" – das ist eine Waffe, die von innen heraus demoralisiert. Strafrechtliche Verfolgung wegen der Verbreitung solcher Narrative ist der Versuch des Staates, eine rechtliche Grenze zu setzen. Aber dieser Versuch ist nur wirksam, wenn er zu einer Verurteilung mit echten Konsequenzen führt.

Der Fall Murajew wird nicht wegen seines Namens beispielhaft, sondern wegen der Antwort auf eine einfache Frage: Ist die ukrainische Justiz während des Krieges in der Lage, einen Fall über Informationszusammenarbeit mit dem Aggressor vor Gericht zu bringen – und dies transparent zu tun, ohne Anzeichen einer politischen Beauftragung?

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