Schröder – definitiv nein. Wer Europa wirklich in Verhandlungen mit Russland vertreten könnte

Der Außenminister Andrij Sybyha hat bestätigt: Es gibt Kandidaten aus Europa für Verhandlungen mit Russland, aber der Kreml wird nicht bestimmen, wer genau. Laut Politico liegt die eigentliche Wahl zwischen Merkel, Stubbe und Draghi.

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Андрій Сибіга (Фото: МЗС)

Die Frage, wer Europa bei möglichen Friedensverhandlungen mit Russland vertreten wird, ist aus dem Bereich abstrakter Diskussionen herausgetreten. Putin selbst hat einen Kandidaten vorgeschlagen: den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder – einen langjährigen Freund des Kremls, der nach 2022 weiterhin nach Moskau reiste und Energiekontrakte erörterte.

Die Antwort aus Kiew kam schnell und ohne diplomatische Ausweichmanöver.

„Es gibt bestimmte Namen. Ich werde sie nicht nennen, weil es ein diplomatischer Prozess ist, aber das ist sicherlich nicht Schröder"

– Außenminister Andrij Sybiha, Online-Briefing für Medien

Danach scherzelte Sybiha, damit die Russen nicht noch „Gérard Depardieu, Steven Seagal, weiß nicht – vielleicht werden sie noch Orbán als Verhandlungsführer auf ihrer Seite heranziehen" vorschlagen würden. Hinter dem Scherz steht eine konkrete Position: Moskau hat kein Recht, einen Vertreter Europas zu ernennen.

Die oberste Diplomatin der EU, Kaja Kallas, nannte Schröder einen „russischen Lobbyisten" und lehnte seine Kandidatur kategorisch ab und merkte an, dass „Russland das Recht zu geben, einen Verhandlungsführer in unserem Namen zu ernennen, nicht sehr weise wäre". Berlin lehnte auch offiziell Putins Vorschlag ab, und ein deutscher Beamter bemerkte in einem Kommentar gegenüber Reuters, dass dies „ein falsches Angebot ist, das darauf abzielt, die westliche Allianz zu spalten".

Wer steht auf der Liste

Nach Angaben von Politico dreht sich die aktuelle Diskussion um drei Kandidaten: die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, der finnische Präsident Alexander Stubb und der ehemalige italienische Premierminister Mario Draghi.

  • Merkelhat Erfahrung in direkten Verhandlungen sowohl mit Putin als auch mit Selenskyj, spricht fließend Russisch. Die vorherigen Verhandlungen im „Normandie-Format" führten jedoch zu keinem Ergebnis.
  • Stubbhat Erfahrung in Mediation und hat früher Interesse an der Rolle eines Vermittlers bekundet, aber Finnlands Mitgliedschaft in der NATO könnte ihn für Moskau inakzeptabel machen.
  • Draghigenießt in Europa großes Ansehen, wird weder als kriegerisch noch als Kremlenfreund wahrgenommen. Es sind keine öffentlichen Signale über seine Bereitschaft, diese Rolle zu übernehmen, eingegangen.

Die offensichtlichste Kandidatin – Kallas selbst – ist praktisch ausgeschieden. Drei EU-Diplomaten warnten Politico, dass der Kreml Kallas' Kandidatur wegen ihrer harten antiRussland-Position schnell ablehnen wird. „Leider hat sie sich selbst aus dem Kreis der Kandidaten ausgeschlossen", sagte ein hochrangiger Diplomat.

Was dahintersteckt

Sybiha betonte: Kiew möchte nicht, dass Europa die USA im Verhandlungsprozess ersetzt. Europäische Initiativen sollen die diplomatischen Bemühungen Washingtons ergänzen. „Das soll ein ergänzender Weg sein – nicht statt, nicht alternativ", sagte der Minister.

Gleichzeitig betonte er, dass Europa eine einheitliche Front bilden muss – eine gemeinsame, konsolidierte Position, eine einzige Stimme in Verhandlungen mit Russland. Deshalb ist die Frage der Person des Verhandlungsführers nicht eine personelle, sondern eine strategische: Wer immer am Tisch sitzt, wird entweder die Einheit Europas oder seinen Spalt verkörpern.

Die zweite Verhandlungsrunde in Istanbul am 2. Juni endete mit einer Vereinbarung über den Austausch von 1200 gegen 1200 Gefangenen, aber ohne irgendeinen inhaltlichen Durchbruch. Russland hat immer noch kein Memorandum mit seinen Friedensbedingungen eingereicht, während die Ukraine einen detaillierten Plan zur Erreichung einer nachhaltigen Regelung vorlegen plant.

Wenn Moskau erneut versucht, jeden akzeptablen Kandidaten zu blockieren – genauso wie es Kallas wegen „übermäßiger Härte" ablehnte – wird klar, dass der Kreml keinen Verhandlungsführer sucht, sondern ein Instrument zur Legitimierung seiner eigenen Bedingungen.

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