Ein Ingenieur aus Charkiw, der Dutzende von Raketenangriffen überlebt hat, dürfte kaum damit gerechnet haben, dass seine Erfahrung einmal zur Handelsware auf dem Markt am Persischen Golf werden würde. Doch genau diese Erfahrung — der Kampfeinsatz von Luftabwehrsystemen unter realen Bedingungen massiver Angriffe — interessiert derzeit mindestens sieben Staaten der Region.
Am 30. März berichtete Präsident Selenskyj von „historischen Vereinbarungen“ mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar über ukrainische Verteidigungssysteme. Parallel dazu, so sagte er, laufen Verhandlungen mit Jordanien und Kuwait, und Bahrain sowie Oman hätten Kooperationsanfragen gestellt.
Es geht nicht um die Lieferung fertiger Waffen — die Ukraine selbst braucht diese. Es geht um den Export von Technologien, Software und, wichtiger noch, von lebendiger Erfahrung: wie man eine gestaffelte Verteidigung aufbaut, wie man verschiedene Systemtypen integriert, wie man Besatzungen darin schult, unter Druck zu handeln.
Im Gegenzug rechnet Kiew mit konkreten Dingen: der Stärkung des eigenen Luftverteidigungsschirms, gemeinsamer Produktion von Verteidigungskomponenten und der Lieferung von Dieselkraftstoff — Treibstoff für Generatoren und Technik bleibt ein kritischer Import.
Die Golfstaaten haben ihre eigene Logik. Nach den Huthi-Angriffen auf die Öl-Infrastruktur Saudi-Arabiens 2019 und der anhaltenden Bedrohung durch den Iran ist die Nachfrage nach effektiver Luftabwehr dort durchaus real. US-Systeme sind teuer und an politische Bedingungen Washingtons gebunden. Ukrainische Systeme — erprobt unter extremen Bedingungen und offenbar verhandlungsfreundlicher — erscheinen als Alternative.
Das Problem ist, dass keine Details der Abkommen veröffentlicht wurden. Selenskyj bezeichnete sie als „historisch“, doch ohne die Nennung von Umfang, Fristen und Umsetzungsmechanismen bleibt das eine Absichtserklärung. Verteidigungsdiplomatie ist selten transparent — doch gerade der Mangel an Konkretisierung verhindert eine Bewertung, ob der Austausch ausgewogen ist.
Die Frage, die den realen Wert dieser Vereinbarungen bestimmen wird: Erhält die Ukraine Komponenten für die Luftabwehr oder Produktionskapazitäten vor dem nächsten Winter — oder bleiben die Abmachungen auf dem Niveau von Memoranden?