The Guardian und die CIA: Putin beschloss bereits 2020 einen Plan für einen großangelegten Krieg — nicht einmal Lawrow wusste davon

Die von The Guardian zitierten CIA‑Einschätzungen zeigen: Die Entscheidung für einen großen Krieg wurde zentral getroffen und vor Teilen der Kreml‑Elite verborgen. Warum das für die ukrainische Sicherheit und die internationale Politik wichtig ist — kurz und prägnant.

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Сергій Лавров (Фото: Maxim Shipenkov / EPA)

Stille Zentralisierung der Entscheidungen im Kreml

The Guardian, unter Berufung auf Einschätzungen der ЦРУ, schreibt, dass die Entscheidung Wladimir Putins für eine umfassende Invasion bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2020 getroffen wurde. Gleichzeitig kannten die Einzelheiten der Pläne nur einige zivile Beamte — andere Schlüsselfiguren des Regimes blieben im Unklaren.

Kontakte und Informationskanäle

Nach Angaben der Zeitung war Андрій Єрмак einer der wenigen ukrainischen Amtsträger, die regelmäßig Kontakt zur russischen Administration suchten. Er sprach sich unter anderem mit dem stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung Putins, Дмитро Козак, aus. The Guardian stellt fest, dass Kozak, wie auch einige andere, die Warnungen der USA als Übertreibung betrachtete — vermutlich beeinflusste das, wie Moskau selbst die Informationen zur Vorbereitung verarbeitete.

„Mir rief jemand Hochrangiges aus dem Kreml an und sagte: ‚Um Putin herum sind viele Militärs, die Atmosphäre ist angespannt, es passiert etwas, aber wir wissen nicht, was‘“

— Ein Gesprächspartner, mit der Situation vertraut

Wer wirklich im Unklaren war

Nach Angaben von zwei Gesprächspartnern, die mit der Materie vertraut sind (zitiert in The Guardian), blieben sogar Сергій Лавров und Putins langjähriger Pressesprecher Дмитро Пєсков im Unklaren. Das deutet auf einen hohen Grad an Geheimhaltung und auf die Zentralisierung des Entscheidungsprozesses im engen Kreis hin.

Folgen und Bedeutung für die Ukraine

Mehrere Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen Informationen ziehen: Erstens erschwert ein solcher Grad an Geheimhaltung Prognosen und erhöht den Stellenwert qualitativer Aufklärung und Diplomatie. Zweitens sind die falschen Vorstellungen des Kremls, dass nur 10% der Ukrainer Widerstand leisten würden, ein Indikator für die systematische Unterschätzung der ukrainischen Gesellschaft und ihrer militärischen Widerstandsfähigkeit. Drittens können Faktoren der Informationsisolation innerhalb der kremlnahen Elite die Inkonsistenz der Reaktionen und das Risiko unerwarteter Eskalationen erklären.

Was als Nächstes

Diese Veröffentlichung bestätigt: Für die Ukraine sind nicht nur operative Aufklärung, sondern auch die Pflege diplomatischer Kanäle und transparente Erklärungen gegenüber Partnern wichtig. Westliche Einschätzungen (wie die der ЦРУ) halfen dabei, falsche Szenarien zu verwerfen — nun besteht die zentrale Aufgabe darin, diese Einschätzungen in konkrete politische und verteidigungspolitische Schritte zur Unterstützung der Sicherheit der Ukraine umzusetzen.

Das Expertengremium weist darauf hin, dass das Verstehen der inneren Logik der Entscheidungen im Kreml nicht dazu dient, sie zu rechtfertigen, sondern künftige Bedrohungen vorherzusehen und zu neutralisieren. Die Fragen bleiben einfach: Wird die internationale Gemeinschaft aus diesen Erkenntnissen lernen, und werden dadurch die Sicherheitsgarantien für die Ukraine gestärkt?

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