Der Besuch von JD Vance in Ungarn, das oft als das pro-russischste EU-Mitglied bezeichnet wird, hätte eine Plattform für einen weiteren öffentlichen Angriff auf Kiew bieten können. Doch dazu kam es nicht.
Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums unternahmen ungarische Journalisten mehrmals Versuche, den amerikanischen Vizepräsidenten zu direkter Kritik an der Ukraine zu bewegen — und erhielten jedes Mal ausweichende Antworten. Vance wählte eine Strategie der Vermeidung statt der Konfrontation.
Dies ist kein Protokoll-Bagatell. Budapest ist eine der wenigen europäischen Hauptstädte, in denen offene Kritik an Selenskyj bislang keinen diplomatischen Unbehagen auslöst. Orbán hat diesen Raum über Jahre hinweg aufgebaut. Die Tatsache, dass Vance ihn nicht nutzte, dokumentiert eine gewisse Grenze — zumindest eine öffentliche.
Gleichzeitig ist Schweigen keine Unterstützung. Die Trump-Administration setzt Kiew weiterhin unter Druck bezüglich Verhandlungen, Bedingungen für eine Waffenruhe und Territorium. Das Fehlen von Kritik bei einem Besuch ändert nichts an dem Gesamtrahmen, in dem die USA die ukrainische Frage als Last betrachten, die es zu lösen gilt, und nicht als einen Verbündeten, der zu unterstützen ist.
Ungarn bleibt dabei ein Engpass in der NATO- und EU-Unterstützung für die Ukraine — es blockiert Entscheidungen, verzögert Tranchen, handelt um Ausnahmen. Dass Vance gerade hierherkam und dies nicht durch öffentliche Verurteilung Kiews ergänzte, kann Budapest als stilles Einverständnis mit der eigenen Position auslegen.
Die eigentliche Frage ist nicht, was Vance sagte. Sondern ob sich das Verhalten Ungarns in der NATO und der EU verändern wird, wenn Washington öffentlich nicht deutlich macht, dass Orbáns Blockaden einen Preis für die bilateralen Beziehungen haben.