Am 3. Juli teilten der Nationale Büro für Ermittlungen (DBR) und die spezialisierte Staatsanwaltschaft des Donezker Gebiets im Bereich der Verteidigung der Ostregion mit, dass einem Kämpfer der separaten Spezialeinheit „Asow" der Nationalgarde der Ukraine Verdacht vorgeworfen wird. Nach Version der Ermittlungen kooperierte er in Gefangenschaft bewusst mit der Verwaltung einer russischen Strafkolonie und mit Vertretern der russischen Geheimdienste. Die Folge — der Tod eines Kameraden.
Was er weitergegeben hat und an wen
Nach seiner Gefangennahme im September 2022 erklärte sich der Verdächtige laut Ermittlungen freiwillig bereit, der Privatarmee „Wagner" beizutreten — um von den Besatzern milde behandelt zu werden. Gleichzeitig begann er, der Kolonieverwaltung und den russischen Geheimdiensten Informationen über konkrete ukrainische Kriegsgefangene zu übermitteln: wer sie waren, welche Position sie innehatten, welche Aufgaben sie erfüllten.
Unter denjenigen, die er „verriet", war der Leiter des Medizinischen Dienstes von „Asow", Alexander Krokhmalyuk. Wie das DBR berichtet, wurde nach der Weitergabe dieser Informationen gegen ihn „systematisch physische Gewalt, Folter und andere Formen grausamer Behandlung angewendet". Krokhmalyuk starb.
„Ein Mensch, der Leben rettete. Ein würdiger Kämpfer und mein Kamerad"
Swjatoslaw „Kalyna" Palamar, Stellvertreter des Kommandanten des 1. Korps der Nationalgarde „Asow"
Krokhmalyuks Route: Asowstal → Oleiniwka → Taganrog → Kamyschin
Alexander Krokhmalyuk geriet im Mai 2022 vom Werk „Asowstal" in Gefangenschaft. Danach — Oleiniwka, wo im Juli 2022 eine Explosion in einer Baracke mit Kriegsgefangenen stattfand, dann Taganrog, dann das Untersuchungsgefängnis Nr. 2 in Kamyschin im Gebiet Wolgograd. Im September 2025 wurde seine Leiche im Rahmen eines Körperaustausches im Format „1000 für 1000" in die Ukraine zurückgebracht. Die gerichtliche Autopsie in Lwiw stellte als Todesursache fest: Rippenbruch und stumpfes Brusttrauma.
Beweismaterial: Aussagen der Überlebenden
Schlüsselbeweis in der Sache waren die Aussagen freigelassener ukrainischer Militärangehöriger, die mit dem Verdächtigen in derselben Kolonie untergebracht waren und während Austauschaktionen zurückgekehrt wurden. Nach Angaben von Gazeta.ua bestätigen ihre Aussagen auch die persönliche Teilnahme des Verdächtigen an Misshandlungen von Kriegsgefangenen — nicht nur die Weitergabe von Informationen. Die Ermittlung veranlasste eine Reihe von Expertisen, die Fälle von Folterungen bestätigten.
Das DBR führte die Operation mit Unterstützung des Sicherheitsdienstes (SBU) und der Führung der Nationalgarde durch. Der Verdächtige — bereits in Freiheit in der Ukraine, freigelassen während eines der Austausche.
Rechtlicher Rahmen: wofür wird verhandelt
Die ukrainische Gesetzgebung sieht strafrechtliche Verantwortung für Kriegsgefangene vor, die mit dem Feind kooperiert haben und anderen Gefangenen Schaden zufügten. Dies ist nicht der erste ähnliche Fall: Ukrainische Strafverfolgungsbehörden haben bereits Fälle von Kollaboration in Gefangenschaft untersucht, aber der Nachweis solcher Anschuldigungen ist eine rechtlich komplexe Aufgabe aufgrund der Besonderheiten der Gefangenschaftsbedingungen und des Drucks, dem Kriegsgefangene ausgesetzt sind.
Gerade hier entsteht die Schlüsselfrage des Falles: Falls das Gericht feststellt, dass der Verdächtige nicht unter Zwang, sondern bewusst und auf eigene Initiative handelte — wird dieses Urteil zum Präzedenzfall für Anklage wegen Kollaboration direkt in Gefangenschaft? Die Antwort wird davon abhängen, ob die Ermittlung dokumentarisch zwischen Überleben unter Druck und bewusstem Verrat unterscheiden kann.