Kiews Position
In einem Interview mit der belarussischen unabhängigen Publikation «Дзеркало» forderte Präsident Wolodymyr Selenskyj die NATO auf, das Raketensystem «Орєшнік» auf belarussischem Territorium als legitimes Ziel zu betrachten. Diese Äußerung steht im Zusammenhang mit Aussagen von Alexander Lukaschenko über den angeblichen Beginn der Gefechtsbereitschaft des Systems ab dem 17. Dezember 2025 – eine Information, die noch unabhängiger Bestätigung bedarf.
«Und den ‹Орєшнік› sollte die NATO meiner Ansicht nach als legitimes Ziel betrachten. Nun, und wir werden diese Bedrohung beobachten und einschätzen.»
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Warum das eine Eskalation ist
Die Stationierung eines solchen Systems in Belarus verändert die Reichweite und die Reaktionsgeschwindigkeit der russischen Schlagkräfte gegen die Ukraine und die europäische Infrastruktur. Analysten westlicher Verteidigungszentren weisen darauf hin, dass die Verlagerung hochpräziser Raketensysteme näher an die Grenzen der Verbündeten die Vorwarnzeiten verkürzt und die defensive Logistik erschwert.
Nach Angaben von Reuters könnte das System auf einem ehemaligen Luftwaffenstützpunkt im Osten von Belarus stationiert werden; zugleich erklären Vertreter der Vereinigung ehemaliger belarussischer Sicherheitskräfte (БелПолу), dass es bislang keine Bestätigung für die tatsächliche Inbetriebnahme einer Abschussvorrichtung gebe. Diese Ungewissheit ist an sich ebenfalls ein Mittel des Drucks und der Informationseskalation.
Konkrete Folgen
Für die Ukraine: erhöhte Verwundbarkeit der Rückwärtigen Dienste und der Luftabwehrplattformen, Bedarf an zusätzlichen Ressourcen für Aufklärung und Schutz kritischer Infrastruktur.
Für die NATO: die Frage der Legitimität eines Ziels ist keine bloße Rhetorik, sondern eine praktische Notwendigkeit zur Festlegung von Reaktionsregeln und zum Schutz des Luftraums bzw. der Infrastruktur der Verbündeten.
Für Belarus: weitere Aushöhlung ihrer formalen Neutralität und Vertiefung der Zusammenarbeit mit Russland, was politische und wirtschaftliche Folgen haben kann, unter anderem die Notwendigkeit, die Sanktionspolitik gegenüber den Herstellern des Systems zu überprüfen — darauf wies Selenskyj ebenfalls hin, als er das Fehlen von Beschränkungen gegen Raketenhersteller kritisierte.
Was als Nächstes von den Partnern zu erwarten ist
Kiew setzt auf eine rationale Reaktion der Partner: Die Einstufung des «Орєшнік» als legitimes Ziel unter konkreten Bedingungen sollte von Maßnahmen begleitet werden — verstärkte Aufklärung, Koordination der Luftabwehr und gegebenenfalls Sanktionsmaßnahmen gegen Zulieferer.
Parallel dazu ist es wichtig, Fakten zu untermauern: Internationale Organisationen und unabhängige Nachrichtendienste müssen die Stationierung und die Gefechtsbereitschaft bestätigen, damit Entscheidungen der Verbündeten juristisch und politisch begründet sind.
Fazit
Das ist nicht nur eine weitere Aussage im Informationsraum — es ist eine potenzielle Veränderung der sicherheitspolitischen Matrix der Region. Jetzt sind die Partner am Zug: Werden sie die Feststellung der Bedrohung in abgestimmte praktische Schritte übersetzen, die die Risiken für die Ukraine und Europa verringern?