Das lokale griechische Portal OnLarissa veröffentlichte als erstes Fotos eines ungewöhnlichen Fluggeräts über Larissa und bezeichnete es selbstbewusst als „B-2 Spirit". Lokale Quellen bestätigten: Der Bomber sei angeblich wegen eines technischen Defekts abgewichen. Diese Version hielt sich nur wenige Stunden – bis OSINT-Analysten die Aufnahmen pixel-für-pixel auseinandernehmen konnten.
Die Form der hinteren Flüggelkante, der Pfeilwinkel, die charakteristisch weit auseinanderstehenden Fahrwerksstützen – nichts davon stimmte weder mit der B-2 noch mit der neueren B-21 Raider überein. Wie The War Zone anmerkt, handelt es sich bei dem Gerät um „die besten veröffentlichten Aufnahmen der RQ-180" – einer unbemannten Drohne, deren offizielles Bestehen die US-Luftwaffe bis heute nicht bestätigt hat.
Was auf den Fotos zu sehen ist – und was das bedeutet
Unter dem Rumpf dokumentierten Analysten ein vorstehenes Element, das einem elektrooptischen oder Infrarotsensor ähnelt. Nach seiner Konfiguration erinnert es an Sensorbaugruppen, die früher auf dem Forschungsflugzeug Scaled Composites Proteus getestet wurden. Das Gerät hat keine Angriffswaffen – seine Rolle ist rein aufklärend: Langzeitpatrouillen in großer Höhe über geschütztem Luftraum.
„Das technische Problem ist vermutlich der einzige Grund, warum wir die Drohne tagsüber überhaupt zu Gesicht bekamen"
The War Zone
Darin liegt das Paradoxon des Ereignisses. Die RQ-180 enthüllte sich nicht durch einen Geheimdienstfehler, sondern durch einen banalen Ausfall. Nachtoperationen von Larissa sind offenbar Standard; eine Landung tagsüber war die Ausnahme, die ins Bild geriet.
Larissa – kein zufälliger Flughafen
Der Stützpunkt des 110. Kampfgeschwaders der griechischen Luftwaffe wurde bereits für MQ-9-Reaper-Operationen in der Region genutzt. Wie The Aviationist angibt, könnte Larissa als Vorpostenflughafen gerade für Operationen über dem Schwarzen Meer oder sogar über die Ukraine entwickelt werden – doch aktuell liegt der Fokus offensichtlich anderswo.
The War Zone verbindet die Präsenz der RQ-180 mit Operation Epic Fury – einer amerikanischen Militäroperation gegen den Iran. Parallel dokumentierten Analysten die Aktivität amerikanischer Militärtransportflugzeuge in der Nähe des Stützpunkts – ein Detail, das auf logistische Unterstützung für längere Einsätze hindeutet. Das vorrangige Ziel laut Einschätzung des Magazins: Suche und Verfolgung mobiler iranischer Raketenstart-Einrichtungen – genau wofür die Klasse der HALE-Drohnen mit Stealth-Eigenschaften konzipiert wurde.
Fünfzehn Jahre im Verborgenen
Das RQ-180-Programm von Northrop Grumman zirkulierte jahrelang nur als Silhouetten über Zone 51 und Edwards. Die Aufnahmen aus dem April – bereits die zweite Welle von Fotos aus Larissa, aufgenommen von Efthimis Siakaras – bestätigten: Der Stützpunkt ist ein regelmäßiger Vorwärts-Hub geworden, nicht Ort einer einmaligen Notlandung.
Ein wichtiger Punkt, den The Aviationist hervorhebt: Fotografien in der Nähe von Militärobjekten in Griechenland sind offiziell eingeschränkt und haben wiederholt zu Verhaftungen ausländischer Touristen geführt. Dass die Fotos dennoch auftauchten – ein weiteres Zeichen für die Ungewöhnlichkeit der Situation.
Wenn die RQ-180 tatsächlich ständige Einsätze über dem Iran von einem griechischen Stützpunkt aus durchführt, lautet die nächste Frage nicht vom Drohn, sondern von der Diplomatie: Hat sich Griechenland öffentlich dazu bereit erklärt – und was hat es von Washington dafür bekommen?