Front ohne "Beobachter": Die Ukraine entwickelt KI-Sensoren, die menschliches Ohr und Auge an der Front ersetzen

Automatisierte Systeme auf der Grundlage von Computervision und Funkaufklärung sollen die Reaktionszeit zwischen dem Auftreten einer Bedrohung und der Reaktion des Militärs auf Millisekunden verkürzen – ohne Beteiligung eines Bedieners.

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Оптико-електронна станція Euroflir 410 виробництва Safran (Фото: EDR Magazine)

Selbst ein erfahrener Kämpfer kann nicht ständig auf den Monitor schauen. Genau diese Lücke zwischen dem Erscheinen einer feindlichen Drohne im Bild und dem Moment, in dem eine Person dies bemerkt, wurde zum Ausgangspunkt für eine ganze Klasse neuer ukrainischer Entwicklungen — automatische Sensorsysteme zur Erkennung an der Front.

Was wird entwickelt und wofür

Die Systeme sollen ein konkretes Problem lösen: Militärs müssen einen großen Teil ihres Dienstes auf passive Beobachtung der Situation und manuelle Übermittlung von Informationen über Truppenbewegungen verwenden. Die Automatisierung dieser Funktionen geht nicht um Bequemlichkeit, sondern um Überleben: Die Reaktionsgeschwindigkeit auf eine FPV-Drohne oder das Vorrücken von Infanterie wird in Sekunden gemessen.

Ein Beispiel für diesen Ansatz ist das System I-SEE, entwickelt von einem ukrainischen Unternehmen. Es arbeitet vollständig offline auf Standard-Consumer-Equipment mit GPU, erkennt Ziele ab einer Größe von vier Pixeln auf eine Entfernung von bis zu 2,5 km je nach Optik und benachrichtigt Soldaten automatisch durch Messenger mit Foto und Koordinaten innerhalb von Millisekunden nach der Bedrohungserkennung.

Das System verfolgt bis zu 100 gleichzeitige Ziele mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 60 Bildern pro Sekunde. Der Hauptvorteil des Offline-Modus: Systeme der elektronischen Kriegsführung können FPV-Drohnen mit Glasfaserkontrolle oder Drohnen mit Relaisfunktionen nicht zuverlässig erkennen, da diese während des Angriffs kein Radiosignal ausstrahlen. Der optische Ansatz schließt genau diese Blindstelle.

«Ein geschlossenes Monolit an der Front bleibt der Realität immer hinterher»

— I-SEE-Ingenieure über die Gründe für den Übergang zu einem offenen Entwicklungs-Ökosystem

Brave1 als Unterstützungsstruktur

Die Entwicklungen laufen unter anderem im Rahmen des Zuschussprogramms des Verteidigungsclusters Brave1. Im August 2025 genehmigte der Verwaltungsrat des Innovationsentwicklungsfonds das aktualisierte Zuschuss-Programm Brave1, das unter anderem autonome Sensorsysteme umfasst. Zu den Prioritätsbereichen gehören ferngesteuerte autonome Sensoren und Mittel der elektronischen Aufklärung mit automatischer Erkennungs- und Klassifizierungsfunktion für verschiedene Zieltypen — unbemannte Fluggeräte, Bodenkontrollstationen, feindliche elektronische Kriegsführung und Radaranlagen.

Brave1 bietet nicht nur Finanzierung, sondern hilft auch mit Fachwissen, Tests, Kodifizierung nach NATO-Standards und der Implementierung von Technologien in den Truppen. Zuschüsse erreichen bis zu 8 Millionen Hrywnja für Startup-Entwicklungen und deutlich mehr für die Skalierung nach spezifischen taktisch-technischen Eigenschaften.

Technischer Kontext: wo der Mensch dem Algorithmus unterlegen ist

Die Nachfrage nach automatisierter Erkennung ist nicht spezifisch ukrainisch, aber die Ukraine entwickelt sie unter Kampfbedingungen, die Parameter genauer vorgeben als jeder Testgelände. Die Verlagerung der Zielerkennung auf automatische Erkennungssysteme auf Basis von KI reduziert die Auswirkungen menschlicher Grenzen und ermöglicht es, Ziele in einer Entfernung von bis zu 2 km zu erfassen. Die Automatisierung der Objektidentifizierung reduziert die Belastung des Personals, das von Müdigkeit, Stress und unterschiedlichem Ausbildungsniveau betroffen ist.

Parallel dazu zeigt das Forum Defense Tech Innovations von Brave1 verwandte Lösungen: Programme, die automatisch Luftaufnahmen von Aufklärungsdrohnen analysieren und die Anordnung von feindlicher Ausrüstung und Objekten anzeigen, wodurch die Zeit für Routinearbeiten verkürzt und Entscheidungsfindung beschleunigt wird.

  • Erkennung von FPV mit Glasfaser — eine Schlüsselherausforderung, da elektronische Kriegsführung solche Drohnen nicht sieht
  • Fehlalarme (Vögel, Müll, Blendung) — das Haupttechnikproblem, das durch das Training von Modellen auf echten Kampfdaten gelöst wird
  • Offline-Betrieb — notwendige Voraussetzung für die Front, wo Internet instabil oder nicht vorhanden ist
  • Offenes Ökosystem — Übergang von monolithischen Systemen zur Integration mit verschiedenen Kameras, Waffen, Messengern

Wenn die Systeme umfangreiches Feldtesting bestehen und ihre angegebenen Eigenschaften unter den Bedingungen einer elektronischen Kriegsführung an einer gesättigten Front bestätigen, ist die nächste Frage nicht technisch, sondern organisatorisch: Ob die Logistik der Lieferung und Ausbildung mit dem Tempo Schritt halten kann, das die Entwickler selbst vorgeben.

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