Ende Mai gab der sogenannte „Krim-Anführer" Sergei Aksjonow offiziell einen Benzinmangel zu — ein seltener Fall, in dem die Besatzungsbehörde das Offensichtliche nicht leugnete. Auf der gesamten Halbinsel wurde der Verkauf von Benzin A-95 begrenzt: nicht mehr als 20 Liter pro Tag pro Person. Am 4. Juni wurde der Benzinverkauf gegen Bargeld insgesamt vorübergehend verboten — nur gegen zuvor gekaufte Gutscheine, und selbst dann erschienen an jeder Tankstelle Kontrolleure.
Drei Schläge gegen die Logistik — ein Effekt
Die Krim war immer von externen Lieferungen abhängig, aber jetzt stehen alle drei Routen gleichzeitig unter Druck. Die Krimbrücke wurde dreimal angegriffen — im Oktober 2022, Juli 2023 und Juni 2025. Der Bereich um die Brücke wird regelmäßig aus „Sicherheitsgründen" gesperrt — am 16. Mai 2026 wurde der Verkehr fast 11 Stunden lang unterbrochen. Die Landroute über die Autobahn R-280 „Noworossija" geriet unter Drohnenangriffe. Der Eisenbahnverkehr wurde unregelmäßig: der Verkehr wird immer wieder unterbrochen. Die Brücke im Bereich Tschongar, die für Militärfahrzeuge und zivile Verkehrsmittel genutzt wurde, wurde am 7. Juni ebenfalls beschädigt.
Laut Aussage von Denis Chistikow, stellvertretender ständiger Vertreter des Präsidenten der Ukraine in der Autonomen Republik Krim, gibt es Produkte auf der Halbinsel, aber ihre Kosten sind deutlich höher als auf dem Territorium der Russischen Föderation — aufgrund von Lieferrisiken und steigenden Treibstoffkosten.
Touristen als Lackmuspapier
Die Treibstoffkrise fiel mit dem Beginn der Touristensaison zusammen — und das machte das Problem nach außen hin sichtbar. Hunderte von Touristen, die mit ihren eigenen Autos in die Krim reisten, bevor die Krise begann, können keinen Treibstoff für die Rückfahrt finden. Die Besatzungsbehörde musste eine spezielle Hotline einrichten. Russen schreiben in sozialen Netzwerken massenhaft, dass sie dieses Jahr nicht in die Krim fahren werden, und „bemitleiden diejenigen, die dort steckengeblieben sind".
„Wenn wir von Treibstoffmangel sprechen, geht es nicht nur um diejenigen, die Autos benutzen. Die Lebensmittelpreise, Produktpreise und Dienstleistungen steigen bereits."
— Denis Chistikow, stellvertretender ständiger Vertreter des Präsidenten der Ukraine in der Autonomen Republik Krim
Warteschlangen, QR-Codes und Fotografieverbot
Das Benzinverteilungssystem erwies sich als ebenso dysfunktional wie die Logistik. Zum Kauf von Treibstoff wurden QR-Codes über den russischen Messenger „Max" eingeführt — die Anzahl der Codes war begrenzt, und der Zugriff auf den Service erforderte eine Autorisierung über „Gosuslugi" (Staatliche Dienstleistungen). Die Warteschlangen an den Tankstellen erstreckten sich über Kilometer. Menschen, die nicht auf Treibstoff warteten, ließen ihre Autos einfach neben den Tankstellen stehen. Es gab eine Anweisung, solche Autos zu evakuieren. Das Fotografieren von Warteschlangen ist verboten — es sind Verwaltungsbußgelder vorgesehen.
Breiterer Kontext: nicht nur die Krim
Nach Angaben von Ekonomichna Pravda hat die Ukraine seit Anfang 2026 mehr als 20 Schläge gegen die russische Öl-Infrastruktur verübt. Anfang Mai waren fast 40 % der Primärölverarbeitung der Russischen Föderation außer Betrieb, was Russland bereits über 7 Milliarden Dollar gekostet hat. Ein Benzinmangel wird auch in den Regionen Kursk, Belgorod, Rjasan, Sankt-Petersburg und auf den besetzten Territorien der „LNR" und „DNR" festgestellt. Die Krim ist in dieser Liste der verwundbarste Punkt, da sie im Gegensatz zu den Regionen der Russischen Föderation keine alternativen Routen hat.
Selbst wenn der Touristenstrom im Sommer sinkt, wird das saisonale Verbrauchswachstum den Mangel verschärfen — besonders da es bisher keine neuen Versorgungsrouten gibt. Es bleibt offen, ob die Besatzungsverwaltung die Situation bis Ende August stabilisieren kann — oder ob die Krise systemisch wird, wenn Gutscheine aufhören, eine vorübergehende Lösung zu sein, und zu einer dauerhaften Einrichtung werden.