Ukraine fordert UN-Sicherheitsratsresolution – im Saal, wo Russland bereits Vetorecht hat

Pawlitschenko forderte in demselben Gremium eine Waffenstillstandsresolution auf, wo Moskau ähnliche Versuche dieses Jahr dreimal blockiert hatte. Dies ist keine diplomatische Naivität — dies ist eine öffentliche Dokumentation der Lähmung.

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Bei einer Notfallsitzung des UN-Sicherheitsrats, die von der Ukraine als Reaktion auf massive russische Beschießungen einberufen wurde, forderte der stellvertretende ständige Vertreter Wolodymyr Pawlitschenko die Ratsmitglieder auf, sofort einen Resolutionsentwurf über eine bedingungslose Waffenruhe einzubringen.

«Die Lähmung des UN-Sicherheitsrats in der Frage der russischen Verbrechen muss von der internationalen Gemeinschaft beendet werden, die weiterhin die auf Regeln basierende internationale Ordnung respektiert».

Wolodymyr Pawlitschenko, Stellvertretender Ständiger Vertreter der Ukraine bei der UNO

Doch das Wort «Lähmung» hier ist keine Rhetorik, sondern eine technische Beschreibung. Seit Februar 2022 hat Russland durch sein Veto jede inhaltliche Resolution zu seiner eigenen Aggression blockiert. Im Februar 2025 hat sich die Situation zu einer neuen Dimension entwickelt: Die USA stimmten zusammen mit Russland, China und anderen für die Annahme einer verwässerten Resolution 2774, die den Aggressor nicht nennt, die Souveränität der Ukraine nicht erwähnt und sich auf einen abstrakten Aufruf zu «dauerhaftem Frieden» beschränkt. Großbritannien, Frankreich und drei Europäer enthielten sich.

Warum Kiew weiterhin an das blockierte Organ appelliert

Die Logik liegt nicht darin, eine Resolution zu erhalten — es wird keine geben. Die Logik liegt darin, öffentlich die Ablehnung festzuhalten. Jedes russische Veto wird automatisch gemäß des Mechanismus «Vereinte für den Frieden» zur Überprüfung durch die UN-Generalversammlung weitergeleitet. Dort sammelt Kiew unverbindliche, aber symbolisch gewichtige Mehrheiten — über 140 Staaten haben bereits mehrfach Resolutionen zur Unterstützung der territorialen Integrität der Ukraine unterstützt.

Parallel dazu betonte Pawlitschenko die Fortsetzung der militärischen Unterstützung der Ukraine durch ihre Partner — und dies ist nicht zufällig erwähnt neben dem Aufruf zu Verhandlungen. Kiew verfolgt konsequent zwei Linien: diplomatische Legitimierung durch die UNO und militärische Stabilität durch Verbündete — damit das erste nicht zu einer Kapitulation wird.

  • Resolution 2774 (Februar 2025): angenommen mit 10 Stimmen dafür, 5 Enthaltungen — enthält keine Erwähnung des Aggressors und der Souveränität der Ukraine
  • Drei europäische Änderungsanträge dazu wurden blockiert oder abgelehnt: zwei durch russisches Veto, einer durch unzureichende Stimmenzahl
  • Die USA stimmten erstmals zusammen mit Russland für eine «ukrainische» Resolution im Sicherheitsrat

Was sich in der Geometrie der Abstimmungen geändert hat

Bis 2025 sah die Standardteilung im Sicherheitsrat so aus: USA, Großbritannien, Frankreich — gegen Russland und China. Jetzt hat die Trump-Administration Washington zum entgegengesetzten Pol verschoben. Das bedeutet, dass jede Resolution mit klarer Formulierung zur Aggression nicht die neun erforderlichen Stimmen zur Annahme erhalten wird — selbst ohne russisches Veto.

Deshalb richtet sich Pawlitschenkos Appell nicht so sehr an die Ratsmitglieder, sondern an das globale Publikum: Er dokumentiert, wer und wie abstimmt, während der diplomatische Druck auf Kiew wächst.

Sollten die USA bis Ende 2025 nicht zur Unterstützung von Formulierungen zur Souveränität der Ukraine im Sicherheitsrat zurückkehren — besteht das Risiko, dass jedes zukünftige «Friedens»-Dokument der UNO die aktuelle Frontlinie als de-facto-Grenze festschreibt, unabhängig davon, was im Text geschrieben steht.

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