Was passiert ist
Die Türkei hat eine vorläufige Vereinbarung mit sechs internationalen Institutionen über die Bereitstellung von 6,75 Mrd. $ für den Bau der nördlichen Umgehungsbahn Istanbuls erzielt, teilte die Pressestelle des Verkehrs- und Infrastrukturministeriums mit. Zu den Kreditgebern gehören die Weltbank, die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), die Asiatische Entwicklungsbank, die Islamische Entwicklungsbank, der OPEC-Fonds für Internationale Entwicklung (OFID) und die EBRD.
Strecke: Industriegebiet Gebze (asiatischer Teil) — Flughafen Sabiha Gökçen — Yavuz-Sultan-Selim-Brücke — Flughafen Istanbul — Halkalı (europäischer Teil). Die Länge der Linie beträgt 125 km; im Projekt sind 44 Tunnel (59,1 km) und 42 Brücken (22,4 km) vorgesehen. Laut Minister Abdulkadir Uraloğlu plant man, das Ausschreibungsverfahren dieses Jahr abzuschließen und die Arbeiten nach der Übergabe des Baustellengeländes zu beginnen.
„Wir planen, das Ausschreibungsverfahren dieses Jahr abzuschließen und die Arbeiten nach der Übergabe der Baustelle aufzunehmen.“
— Abdulkadir Uraloğlu, Verkehrs- und Infrastrukturminister der Türkei
Was diese Linie verändern wird
Das Projekt wird als Versuch dargestellt, die Belastung bestehender Korridore — insbesondere Marmaray — zu verringern und die beiden großen Flughäfen direkt zu verbinden. Nach offiziellen Schätzungen kann die neue Linie 33 Mio. Passagiere und 30 Mio. Tonnen Fracht pro Jahr befördern, was sie zu einem bedeutenden Akteur in der interkontinentalen Logistik macht.
Für die Region bedeutet das: stärkere Eisenbahnkorridore zwischen Asien und Europa, weniger Engpässe im Transit und zusätzlicher Wettbewerbsdruck auf bestehende Routen. Für die Ukraine und ukrainische Exporteure ist dies ein neuer logistischer Knotenpunkt in der Nähe des Schwarzen Meeres, der sowohl zusätzliche Möglichkeiten (alternative Routen) als auch Konkurrenz um Transitströme schaffen kann.
„Eine neue Ära der Logistik wird beginnen. Nach Fertigstellung des Baus wird die Linie 33 Mio. Passagiere und 30 Mio. Tonnen Fracht pro Jahr transportieren können.“
— Abdulkadir Uraloğlu, Verkehrs- und Infrastrukturminister der Türkei
Warum internationale Banken dem Projekt vertrauen
Die Finanzierung solcher Projekte durch große Institutionen signalisiert in der Regel zwei Dinge: erstens Vertrauen in die finanzielle und technische Leistungsfähigkeit des Landes; zweitens ein strategisches Interesse daran, stabile Handels- und Transportrouten zu schaffen. Im Fall Istanbuls entspricht das der langfristigen Logistik zwischen Europa und Asien — und stärkt zugleich die Rolle der Türkei als Verkehrsknoten.
Risiken und offene Fragen
Das Projekt ist groß und kapitalintensiv — daher sind die Risiken die üblichen: Kostenüberschreitungen, Verzögerungen im Zeitplan sowie ökologische und soziale Fragen beim Bau von Tunneln und Brücken. Zudem ist der geopolitische Kontext zu beachten: parallele finanzielle Verbindungen der Türkei (zum Beispiel russische Investitionen in das Atomkraftwerk Akkuyu) zeigen, dass Ankara zwischen verschiedenen externen Akteuren ausbalancieren wird, was die Umsetzung großer Infrastrukturprojekte beeinflussen kann.
Fazit
Die Investition in die nördliche Umgehungsbahn ist ein Signal: Internationale Institutionen sehen den Wert in den umfangreichen Transportkorridoren Istanbuls. Für die Ukraine lautet die Schlüsselfrage, wie sie diese Veränderungen im Interesse ihrer eigenen Logistik und Exporte nutzen kann: neue Chancen suchen und gleichzeitig die Risiken für Transitstrecken beobachten. Nun sind die Logistikbetreiber und Regierungen am Zug — werden diese Kredite in reale Waren- und Personenströme umgesetzt, oder bleiben sie bloße Erklärungen auf dem Papier.