180 Tage auf dem Meer: Wie das unter Sanktionen stehende russische LNG dreimal nach China gelangte

Der Tanker Perle brauchte ein halbes Jahr, um Gas vom unter Sanktionen stehenden Terminal „Portowaja" nach China zu transportieren – und dies ist bereits die dritte solche Fahrt nach Verhängung der amerikanischen Sanktionen im Februar 2025.

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Танкер Perle (Фото: MarineTraffic)

Am 8. Dezember 2024 lud der Tanker Perle verflüssigtes Erdgas im Terminal „Portowaja" in der Finnischen Bucht. Am 19. Mai 2025 legte er im chinesischen Hafen an – 163 Tage nach seiner Abfahrt aus Russland. Nach Angaben von LSEG Data & Analytics, die Reuters zitiert, ist dies die Rekordzeit für eine solche Ladung zwischen diesen beiden Punkten.

Was stimmt nicht mit „Portowaja"

Das Terminal „Portowaja" versorgt die gleichnamige LNG-Anlage von Gazprom, die auf der US-Sanktionsliste steht. Washington verhängte diese Beschränkungen im Februar 2025 – aber bereits nach der Reise der Perle erreichte nicht die erste und nicht die zweite, sondern die dritte Ladung aus dieser Anlage China. Das bedeutet: Die Sanktionen haben die Route bisher nicht blockiert, sondern nur die Logistik erschwert.

Ein halbes Jahr auf dem Meer ist für LNG-Transporte nicht normal. Eine Standard-Reise von der Ostsee nach China dauert 25–35 Tage. Eine solch ausgedehnte Route deutet entweder auf eine Umladung von Schiff zu Schiff irgendwo in neutralen Gewässern hin oder auf ein längeres Warten in einem Zwischenhafen – ein klassisches Schema zur Umgehung von Sanktionen durch die „Schattenflotte".

Warum China dieses Gas nimmt

China hat sich keinem Sanktionsregime gegen Russland angeschlossen und erhöht die Importe von russischem LNG aktiv. Für Peking ist dies eine Frage der Energiesicherheit und diskontierter Preise: unter Sanktionen stehendes Gas wird mit Rabatt gegenüber dem Marktpreis verkauft. Für Gazprom ist es einer der wenigen Vertriebskanäle nach dem Verlust des europäischen Marktes.

Drei Lieferungen in drei Monaten nach Einführung der Sanktionen – das ist kein Zufall und keine Ausnahme, das ist ein Betriebsmodell.

Logik der Perle-Route

Was dies für den Sanktionsdruck bedeutet

Die USA können Sekundärsanktionen gegen chinesische Unternehmen verhängen, die unter Sanktionen stehendes LNG kaufen – dieses Instrument wurde bereits gegen den Ölsektor angewendet. Aber die Biden-Administration setzte es vorsichtig ein, um die Handelsspannungen mit China nicht zu verschärfen. Ob die Trump-Administration unter den Bedingungen paralleler Verhandlungen mit Peking genau hier Druck ausüben will, ist eine offene Frage.

Wenn die USA bis Ende Sommer 2025 keine Sekundärsanktionen gegen spezifische chinesische Käufer dieses Gases einführen, wird „Portowaja" faktisch eine Bestätigung erhalten: Die amerikanischen Beschränkungen für sie sind zusätzliche Logistikkosten, keine Blockierung des Geschäfts.

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