Am 15. April werden die Bewohner von Teremky zum letzten Mal ein Kino besuchen, das eine Pandemie, eine großangelegte Invasion und den Wechsel einer ganzen Generation von Zuschauern überstanden hat. Das Kino „Linija Kino" im Einkaufszentrum „Magellan" wird nach mehr als 20 Jahren Betrieb geschlossen.
„Zusammen mit euch haben wir Hunderte von Geschichten auf der großen Leinwand erlebt — vom legendären ‚Avatar' bis hin zu großen Premieren wie ‚Avengers', ‚Iron Man', ‚Joker', ‚Barbie', ‚Ice Age', ‚Dune'… Aber das ist nicht das Ende".
— „Linija Kino", Facebook-Beitrag
„Das ist nicht das Ende" — diese Formulierung ist kein Zufall. Das Netzwerk erklärte die Gründe für die Schließung des Standorts im „Magellan" nicht, startete aber parallel bereits ein sechssaaliges Kino im Einkaufszentrum Cherry Mall in Vyshnevoe — mit Laserprojektor, VIP-Saal mit Relaxsesseln und eigenem Restaurant. Tatsächlich findet hier keine Schließung statt, sondern eher eine Verlagerung des Publikums von einem Schlafbezirk in einen anderen.
Was geschieht auf dem Markt
Die Schließung einzelner Standorte ist ein charakteristisches Merkmal des ukrainischen Filmverleihs in den letzten Jahren. Nach Februar 2022 verzeichneten große Ketten wie Multiplex und „Planeta Kino" einen Umsatzrückgang von 50–70% gegenüber dem Vorkriegsniveau. Luftalarme, Stromausfälle, Absagen von Abendvorstellungen — all das hat die Betriebslogik des Kinos im Einkaufszentrum verändert.
Als Reaktion auf den Druck begannen die Ketten, die Mietbedingungen zu überprüfen und wechselten zu Modellen mit Umsatzbeteiligung statt fester Gebühren. Standorte, an denen eine Einigung mit dem Vermieter nicht gelang oder wo der Kundenverkehr nicht wieder anstieg, werden geschlossen.
- „Magellan" in Teremky — einer der ältesten Standorte der Kette, vor über 20 Jahren eröffnet
- Cherry Mall in Vyshnevoe — neuer Standort, sechs Säle, Laserprojektion, VIP-Saal
- Kino „Kosmos" bleibt der Hauptstandort der Kette in Kiew selbst
Zwanzig Jahre — das ist mehr als nur eine Zahl
Für Teremky war „Linija Kino" im „Magellan" faktisch das erste und einzige Bezirkskino im modernen Format. Bewohner, die heute 30–40 Jahre alt sind, sahen hier die ersten „Avengers" und „Avatar" noch als Teenager. Die Schließung solcher Orte ist nicht nur eine geschäftliche Entscheidung: Es ist das Verschwinden einer Infrastruktur, die die kulturellen Gewohnheiten eines ganzen Mikrorayons geprägt hat.
Gleichzeitig ist Cherry Mall bereits auf ein anderes Publikum ausgerichtet — die schnell wachsenden Vororte und neue Wohnkomplexe rund um Vyshnevoe und Boyarka. Das Netzwerk scheint dorthin zu wechseln, wo es ein neues zahlungsfähiges Publikum gibt, anstatt Standorte dort zu halten, wo das Publikum zwar vorhanden, aber weniger aktiv ist.
Wenn „Linija Kino" wirklich auf Vororte setzt und nicht auf dicht besiedelte städtische Gebiete, dann stellt sich die Frage, ob Cherry Mall den Wettbewerb mit heimischen Streaming-Diensten besser bewältigt als „Magellan": Moderne Ausrüstung ist attraktiv, aber nur solange es keine Alarme gibt.