In Kamjansky – der drittgrößten Stadt der Region Dnipropetrowsk – hat der erste von 17 neuen Straßenbahnen des Herstellers „Tatra-Yug" die technische Erprobung abgeschlossen. Bald wird er auf regelmäßigen Routen verkehren. Bis zum Ende des Jahres 2025 soll die Stadt fünf weitere Wagen erhalten, die restlichen elf während 2026–2027.
Woher das Geld kommt – und warum das wichtig ist
Der Vertrag im Wert von 16,99 Millionen Euro wurde im Rahmen des staatlichen Programms „Städtischer öffentlicher Verkehr der Ukraine – II" abgeschlossen, das die Europäische Investitionsbank finanziert. Das Schema ist einfach: Die EIB deckt 80% der Kosten für die Wagen, die restlichen 20% kommen aus dem Stadthaushalt von Kamjansky. Nach Abschluss der Lieferungen wird die Stadt etwa 85% ihres Straßenbahnparks erneuert haben.
Wichtiger Kontext: Jährlich nutzen etwa 10 Millionen Fahrgäste die Straßenbahnen von Kamjansky, von denen etwa 70% in privilegierten Kategorien fahren. Das heißt, die meisten fahren kostenlos oder mit Rabatt aufgrund von Erstattungen aus dem Budget. Der erneuerte Fuhrpark kommt in ein System, in dem die Ticketeinnahmen nur einen Teil der Betriebskosten decken.
Was für Wagen sind es
„Tatra-Yug" ist ein Unternehmen aus Odessa, das seit 1993 Straßenbahnen auf den Anlagen des „Pivdenmasch" herstellt und der ideelle Nachfolger des tschechischen Unternehmens ČKD „Tatra" ist, das 2003 seine Arbeit eingestellt hat. Die Lokalisierung der Produktion erreicht 95%, Wagen werden in 22 Städten der Ukraine betrieben.
„Bis zum Ende dieses Jahres soll Kamjansky fünf weitere neue Wagen erhalten, im nächsten Jahr noch elf. Nach Abschluss der Lieferungen in den Jahren 2026–2027 wird die Stadt etwa 85% ihres Straßenbahnparks erneuert haben"
— Bürgermeister von Kamjansky Andri Bilousov
Die neuen 15 Meter langen einteiligen Wagen sind bodengestützt, mit breiten Türen, Klimaanlage, Überwachungskameras und einer Rampe ausgestattet. Sie werden auf allen vier städtischen Routen eingesetzt.
Krieg als Kontext, nicht als Hintergrund
Kamjansky liegt 70 km von Nikopol entfernt – einer der am stärksten beschossenen Städte der Region Dnipropetrowsk. Der Kauf von öffentlichen Verkehrsmitteln während aktiver Kampfhandlungen ist nicht nur eine kommunale Lösung, sondern ein Signal dafür, dass die Stadt langfristig funktionieren will. Die EIB wiederum setzt ihre Finanzierung der Zivilinfrastruktur in einem Land fort, in dem einige Routen unter Berücksichtigung von Luftalarm-Zeitplänen betrieben werden.
Die offene Frage liegt hier nicht bei den Straßenbahnen – sie liegt in der Wirtschaft: Wenn 70% der Fahrgäste zu Vorzugstarifen fahren und die Tarife im Juni 2026 bereits nach öffentlicher Diskussion erhöht werden mussten, wird das Betriebsbudget des Unternehmens „Transport" ausreichen, um 17 neue Wagen ohne den nächsten Zyklus externer Subventionen zu unterhalten?