Öl bei 58 Dollar — Benzin an der Tankstelle unverändert: Warum die Preise an den Zapfsäulen dem Markt hinterherhinken

Brent fiel auf ein Vier-Jahres-Tief, OPEC+ erhöht die Fördermengen — doch ukrainische private Tankstellennetze beeilen sich nicht. Die Regierung übt Druck über „Ukrnafta" aus.

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Фото: depositphotos.com

Premierministerin Julija Swyridenko traf sich mit dem Vorstandsvorsitzenden des nationalen Ölkonzerns „Naftohaz" Sergij Korezkyj und forderte öffentlich Betreiber des Brennstoffmarktes auf, die Preise zu senken. Der Grund dafür liegt nicht in der Innenpolitik, sondern in einer globalen Entwicklung auf dem Ölmarkt.

Was auf dem Weltmarkt geschah

Am 7. April 2025 fiel Brent-Öl auf ein vierjähriges Tief — unter 60 US-Dollar pro Barrel, und nach der Entscheidung der OPEC+ vom 3. Mai, die Förderung um weitere 411.000 Barrel pro Tag zu erhöhen — sank es bis auf 58 US-Dollar. Auslöser: Die Eskalation des Zollkriegs zwischen den USA und China und der demonstrative Kurs Saudi-Arabiens zur Steigerung des Angebots. Nach Angaben von Reuters machte dies Öl zu einem der schlechtesten Rohstoffaktiva des Jahres 2025.

Zum Vergleich: Im Februar 2022, zu Beginn der vollständigen Invasion, kostete Brent über 110 US-Dollar. Der derzeitige Rückgang ist keine Korrektur, sondern ein struktureller Wandel.

Druckmechanismus — staatliches „Ukrnafta"

Eine direkte Preisregulierung für Brennstoffe in der Ukraine gibt es nicht. Daher nutzt die Regierung traditionell das staatliche Tankstellennetz „Ukrnafta" als wertvollen Marktmaßstab. Swyridenko bestätigte: „Ukrnafta" hat bereits mit Preissenkungen begonnen. Ein Signal an private Netzwerke.

„Die Brennstoffpreise sollten fair gestaltet werden, unter Berücksichtigung der aktuellen Situation, insbesondere auf den Weltmärkten, aber ohne interne Spekulationen. Die Kontrollbehörden, insbesondere das Antimonopolkomitee der Ukraine und der Staatliche Dienst für Verbraucher und Lebensmittelsicherheit, sollten eine angemessene Überwachung durchführen"

Julija Swyridenko

Dies ist bereits nicht das erste Mal, dass das Antimonopolkomitee als Druckinstrument gegen Tankstellenbetreiber eingesetzt wird. Das letzte Mal — während eines Preisanstiegs aufgrund der Situation im Nahen Osten — forderte das Komitee die größten Netzwerke auf, die Preiserhöhungen zu erklären. Damals, wie DeepState vermerkte, hatte die nahöstliche Krise keinen echten Einfluss auf die ukrainischen Preise — die Netzwerke nutzten den Informationsanlass.

Wie viel und wann

Der Ökonom Oleg Pendsin prognostiziert eine deutliche Verbilligung von Ölprodukten an ukrainischen Tankstellen in naher Zeit — wenn das Öl auf dem Niveau von 60 US-Dollar und darunter bleibt. Swyridenko präzisierte: „Bei Beibehaltung der aktuellen globalen Dynamik wird mit einem deutlicheren Rückgang gerechnet".

Das Problem besteht darin, dass zwischen dem Kursfall und dem Tankstellenpreis eine Verzögerung liegt — Logistik, Zoll, Gewinnspanne der Distributoren. Private Betreiber reagieren normalerweise langsamer auf Verbilligung als auf Verteuerung.

Wenn die OPEC+ ihre Entscheidung zu Fördermengen im Juni nicht zurücknimmt und der Zollkonflikt USA-China sich nicht entspannt — wird der Markt neue Gründe für Preissenkungen bekommen. Aber wenn private Netzwerke wieder warten, bis „Ukrnafta" zuerst den Preis senkt, wird die Frage an das Antimonopolkomitee nicht nur rhetorisch sein: Warum funktioniert die Überwachung nur nach öffentlichem Druck der Premierministerin?

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