Der Verwaltungsrat der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) hat einen Kredit in Höhe von €10 Millionen für den Konzern „Galnaftohaz" – das Flaggschiff der OKKO Group – genehmigt. Das Geld soll für die Installation neuer öffentlicher Ladestationen für Elektrofahrzeuge in verschiedenen Regionen der Ukraine verwendet werden. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf €13,5 Millionen.
Die restliche Finanzierung in Höhe von €3,5 Millionen soll durch einen Zuschuss der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Connecting Europe Facility Transport (CEF-T) im Rahmen der Fazilität Alternative Fuels Infrastructure Facility (AFIF) bereitgestellt werden. Dies ist ein Kofinanzierungsmechanismus für Lade- und Wasserstoffinfrastruktur – insbesondere für Länder außerhalb der EU, wenn das Projekt den Verkehrsprioritäten der Union entspricht.
Kontext: Ein Markt, der die Infrastruktur überflügelt
Nach Angaben des Hauptdienstleistungszentrums des ukrainischen Innenministeriums waren zu Beginn des Jahres 2025 in der Ukraine über 160.000 Elektrofahrzeuge registriert – 2,5-mal mehr als 2023. Im Mai 2025 stiegen die Verkäufe neuer Elektroautos um 93% im Vergleich zu Mai 2024. Gleichzeitig betrug die Anzahl der Ladeanschlüsse im Land im Dezember 2025 etwa 9.700, nach Angaben der Branchenpublikation ElectricDrives.
«Die Infrastruktur hinkt deutlich hinter dem Tempo der Flottenexpansion hinterher. Es zeichnet sich ein Mangel an Ladestationen ab».
Oleg Omelnitskij, Leiter von Autoconsulting
Mit einfacher Arithmetik: 160.000 Fahrzeuge und weniger als 10.000 Anschlüsse – das sind 16 Elektrofahrzeuge pro Ladepunkt. Der EU-Standard für 2025 beträgt nicht mehr als 10 Autos pro Anschluss für städtische Ballungsräume.
Warum OKKO und warum jetzt
Im Februar 2025 erwarb „Galnaftohaz" 50% des Netzes der Ladestationen TOKA – einer der größten Betreiber des Landes mit über 200 Stationen und der Möglichkeit, über 450 Elektrofahrzeuge gleichzeitig zu laden. Im selben Zeitraum, in der ersten Jahreshälfte 2025, installierte OKKO 24 weitere Ultraschnellladestationen (Ultra Fast Chargers) an 19 Tankstellen entlang von Schlüsselstrecken – Kiew–Odessa, Kiew–Lwiw–Chop, Borispil–Dnipro–Saporischschja. Der EBWE-Kredit ist der nächste Schritt in dieser Logik.
Für die EBWE ist dies nicht das erste Kreditangebot für OKKO: 2020 eröffnete die Bank der Kette eine Kreditlinie in Höhe von 35 Millionen Dollar mit einer Laufzeit von 7 Jahren. Die EBWE ist insgesamt der größte institutionelle Investor in der Ukraine – seit Beginn der groß angelegten Invasion hat sie dem Land fast €8,4 Milliarden bereitgestellt.
Was bedeutet dies für Elektrofahrzeugfahrer
- Neue Stationen sollen in Regionen mit niedriger Abdeckungsdichte entstehen – Details zu konkreten Standorten haben EBWE und „Galnaftohaz" bislang nicht offengelegt.
- Das Projekt konzentriert sich auf öffentlich zugängliche Ladevorgänge – nicht auf Unternehmens- oder Privatladestationen.
- Die Umsetzungsgeschwindigkeit hängt davon ab, ob der CEF-T-Zuschuss endgültig bestätigt wird: Ohne ihn ist die Finanzierungsstruktur unvollständig.
Wenn der Zuschuss der Europäischen Kommission bestätigt wird und die Stationen gleichmäßig zwischen Regionen mit dem höchsten Mangel verteilt werden, könnte das Projekt die durchschnittliche Last pro Anschluss in mehreren Regionen reduzieren. Wenn aber erneut Strecken und große Städte im Mittelpunkt stehen, wird sich die Kluft zwischen Nachfrage und Angebot in der Peripherie nur vertiefen.