Was passiert ist
Drei führende südkoreanische Sender — KBS, MBC und SBS — haben beim Zentralbezirksgericht in Seoul Klage gegen OpenAI eingereicht. Laut KBS fordern die Sender die Unterlassung der unlizenzieren Nutzung ihrer Nachrichteninhalte zum Training von Sprachmodellen sowie Schadensersatz. Es ist der erste Fall, in dem alle drei Fernsehsender gemeinsam gegen ein globales KI-Unternehmen vorgehen.
Warum das wichtig ist
Die Klage zielt darauf ab, einen Mechanismus für gerechte Entschädigung für Medien zu schaffen und die unautorisierte Nutzung journalistischer Inhalte zu begrenzen. Im Verband der koreanischen Rundfunkanstalten wird betont, dass OpenAI erhebliche Gewinne erwirtschaftet aus Diensten, für deren Entwicklung nach ihrer Auffassung Inhalte ohne Lizenz verwendet wurden.
„OpenAI ist sich vollkommen bewusst, dass für die Nutzung von Nachrichteninhalten eine rechtmäßige und gültige Lizenz erforderlich ist“
— Verband der koreanischen Rundfunkanstalten
Internationaler Kontext
Die Klage in Seoul fügt sich in einen breiteren Trend von rechtlichen Auseinandersetzungen mit Technologieunternehmen über die Nutzung kreativer Werke beim Training von KI ein. Im Dezember 2025 reichte der Journalist John Carreyrou eine Klage gegen mehrere große Unternehmen, darunter OpenAI, ein und warf ihnen vor, Bücher und andere Werke illegal zum Training von Modellen verwendet zu haben — wodurch sich nach und nach rechtliche Rahmenbedingungen für das Zusammenwirken von Medien und Plattformen herausbilden.
Was das für die Ukraine bedeutet
Die Entscheidung des Gerichts in Seoul könnte für europäische und ukrainische Gerichte sowie Regulierungsbehörden zu einem Präzedenzfall werden. Für ukrainische Medien geht es dabei nicht nur um Einnahmen, sondern auch um informationelle Souveränität: Können große Modelle automatisch aus lokalen Inhalten schöpfen, ohne Erlaubnis und Entschädigung, und wie wirkt sich das auf die Widerstandsfähigkeit unabhängiger Journalistik in Zeiten eines Informationskriegs aus?
Praktisch sind zwei Grundszenarien denkbar: Technologieunternehmen schließen Lizenzvereinbarungen mit Inhaltsanbietern ab, oder Gerichte und Regulierungsbehörden schaffen transparente Entschädigungsmechanismen. Beide Varianten werden den Zugang zu Informationen, die Geschäftsmodelle der KI und die finanzielle Grundlage für journalistische Recherchen verändern.
Weiter liegt die Entscheidung bei Gerichten und Verhandlungen: Werden Verantwortungsbekundungen in konkrete Vereinbarungen umgesetzt, die die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten und die Informationssicherheit der Gesellschaften schützen? Diese Frage betrifft auch direkt die Ukraine — können wir unsere Rechte in einem Umfeld globaler digitaler Konkurrenz verteidigen?