Am 18. Mai veröffentlichte die KMDA einen Entwurf neuer Tarife: ab dem 15. Juli wird eine Einzelfahrkarte in U-Bahn, Trolleybus, Straßenbahn und Bus 30 Hrywnja kosten — statt der bisherigen 8. Am selben Tag reichte der Vorsitzende der NGO „Grauer Kader" Oleksij Ksenytsch eine Petition auf der Website des Kyiver Rates ein, in der er forderte, die Tarife bis zum Ende des Kriegsrechts einzufrieren. In weniger als 24 Stunden unterzeichneten sie über 6.000 Kyiver.
Was hinter den Zahlen steckt
Der derzeitige Tarif von 8 Hrywnja wird seit März 2020 nicht überprüft. In sechs Jahren ist die Fahrtgestehungskosten vielfach gestiegen: Der Direktor des Departements für Verkehrsinfrastruktur der KMDA, Sergej Pidhajnyj, teilte im April mit, dass die durchschnittlichen Gestehungskosten im Landverkehr 44 Hrywnja betragen und in der U-Bahn noch höher sind. Nach Angaben von kyiv.news erreichte die Gestehungskosten für eine U-Bahn-Fahrt im Jahr 2026 64 Hrywnja. Das heißt, selbst nach der Erhöhung subventioniert die Stadt jede Fahrt — der Unterschied zwischen Tarif und Gestehungskosten bleibt doppelt.
Die NGO „Kyiver Fahrgäste" kritisiert die Methodik dieser Berechnungen und nennt sie manipulativ. Der Verkehrsanalyst Oleksandr Hrechko nennt andere Zahlen: Gestehungskosten in der U-Bahn — 26 Hrywnja, im Landverkehr — 21 Hrywnja.
„Alles, wozu das Departement für Wirtschaft der KMDA in ein paar Monaten Arbeit fähig war, ist, alle bestehenden Tarife mit 3,75 zu multiplizieren — wir sind der Meinung, dass der bestehende Tarifentwurf einfach weggeworfen werden sollte"
NGO „Kyiver Fahrgäste", Telegram
Was die Behörden anbieten — und was sie verschweigen
Der KMDA-Entwurf sieht nicht nur ein festes 30-Hrywnja-Ticket vor: Für Besitzer von Fahrkarten gilt ein Rabattsystem je nach Anzahl der im Voraus gekauften Fahrten, und ein monatliches unbegrenztes Ticket kostet 4.875 Hrywnja. Separat wird ein Umsteigeticket für 60 Hrywnja eingeführt — es erlaubt, zwischen U-Bahn und Landverkehr 90 Minuten lang ohne Zusatzgebühr umzusteigen.
Der Petitionsautor besteht auf einer Rechnungsprüfung der Ausgaben von Verkehrsunternehmen vor jeder Tarifrevision. Das Verfahren zur Tarifgestaltung sieht formal öffentliche Anhörungen vor — aber deren Durchführungsdatum ist noch nicht bekannt, während das Einführungsdatum der neuen Preise bereits feststeht: 15. Juli.
Kyiv im Vergleich zu anderen Städten
- In Lwiw kostet die Fahrt seit dem 16. Mai 2026 bereits bis zu 30 Hrywnja, je nach Zahlungsart.
- In Kyiv war der Tarif der niedrigste in der Ukraine — und bleibt auch nach der Erhöhung noch unter den Gestehungskosten.
- Der Kyiver Rat erwägt parallel die Aufnahme eines Kredits von 1,5 Milliarden Euro für den Bau einer U-Bahn nach Trojeshtschyna — dieses Projekt wird finanziell nur gerechtfertigt, wenn der Tarif sich den tatsächlichen Kosten nähert.
Die Petition unterliegt nun offiziell der Prüfung durch den Kyiver Rat und den Bürgermeister. Aber das Verfahren dieser Prüfung sieht keine obligatorische Erfüllung der Anforderungen vor: Der Rat kann die Position der Bürger berücksichtigen oder die Entscheidung unverändert lassen.
Die Schlüsselfrage ist nicht, ob der Tarif steigen wird — das ist bereits faktisch entschieden. Die Frage ist, ob die versprochenen öffentlichen Anhörungen bis zum 15. Juli stattfinden: Wenn die KMDA neue Preise ohne öffentliche Diskussion der Berechnungsmethodik einführt, wird der Präzedenzfall, finanzielle Probleme von Versorgungsunternehmen ohne Rechenschaftspflicht auf die Fahrgäste abzuwälzen, zur Norm.