Russland, der drittgrößte Ölproduzent der Welt, kauft Benzin in Marokko

Ein Land, das jahrelang Treibstoff in den gesamten postsowjetischen Raum exportierte, importiert nun Benzin per Tanker aus Afrika – und dies ist der beste Indikator für die Effizienz der ukrainischen Drohnenanschläge auf Raffinerien.

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Черга на АЗС Роснєфті у Москві, липень 2026 року (фото – EPA)

Vor einem Jahr war es schwer vorstellbar: Russland, eines der drei größten Ölförderländer der Welt, bestellt Benzin aus Marokko – einem Land, das selbst keine bedeutenden Ölvorkommen hat und normalerweise Rohöl für seine eigene Raffinerie in Tanger importiert. Ein Tanker mit 30.000 Tonnen АІ-92 wird gerade in Murmansk entladen, und es handelt sich nicht um ein einmaliges Geschäft – es ist ein Symptom eines systemischen Problems.

Warum ausgerechnet Marokko

Die Logik ist leicht zu durchschauen. Die marokkanische Raffinerie in Tanger verarbeitet importiertes Rohöl und beliefert traditionell die europäischen und westafrikanischen Märkte mit Brennstoff. Für Russland, dem der Zugang zu gewohnten europäischen Händlern durch Sanktionen verwehrt ist, erwies sich Marokko als eine der wenigen Optionen, von wo man Benzin ohne politische Komplikationen kaufen kann – und es auf dem Seeweg transportieren kann, ohne die Straße von Bosporus zu passieren.

Nach Angaben von Reuters war der Lieferant Lukoil – ein Unternehmen, das noch vor kurzem selbst Brennstoff exportierte und nun in die umgekehrte Richtung arbeitet.

Ausmaß des Defizits

Nach Schätzungen von Reuters deckten russische Raffinerien Anfang Juli nur 65% der saisonalen Benzinnachfrage. Das tägliche Defizit liegt bei 40.000–45.000 Tonnen. Ein Tanker aus Marokko deckt dies in knapp einer halben Welt ab. Mit anderen Worten: Der Import aus Afrika ist keine Lösung des Problems, sondern ein Versuch, Zeit zu gewinnen, während die Behörden stabilere Versorgungskanäle suchen: Früher wandte sich Moskau an Weißrussland, Kasachstan und Indien.

Der Drohnen-Effekt

Die Ursache des Defizits ist nicht die globale Marktsituation, sondern eine konkrete ukrainische Kampagne. Anschläge mit ferngesteuerten Drohnen haben mehr als 30% der tatsächlichen Ölraffinerie-Kapazitäten Russlands außer Betrieb gesetzt. Die Financial Times berichtete, dass die Ukraine ihre Taktik geändert hat: Jetzt sind die Ziele nicht beliebige Raffinerieeinrichtungen, sondern kritisch wichtige Komponenten, die wegen Sanktionen auf Ausrüstung schwer zu ersetzen sind. Dies erklärt, warum die Auswirkungen der Anschläge monatelang anhalten und nicht nur tage- wie früher.

Das Paradoxon des Verbots

Am 30. Juli verlängerte die russische Regierung das Exportverbot für Benzin und Diesel um weitere sechs Monate – um den Binnenmarkt zu stabilisieren. Gleichzeitig importiert das Land Brennstoff aus Afrika. Ein Staat, der den Benzinverkauf ins Ausland wegen Mangel im Inland verbietet, kauft ihn dort, wo es früher selbst Rohöl verkaufte.

Die Frage für die kommenden Monate ist einfach: Wird es in Marokko, Weißrussland, Kasachstan und Indien ausreichend Brennstoffüberschüsse geben, um das Defizit von 40.000+ Tonnen pro Tag auszugleichen, wenn die ukrainischen Anschläge auf Raffinerien mit der gleichen Intensität fortdauern?

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