Am 23. April übernahm der Tanker Al-Qaiyyah mit einer Kapazität von 174.000 Kubikmetern die erste Ladung Flüssiggas vom Terminal Golden Pass in Sabine Pass, Texas. Hinter dieser Pressemitteilungszeile von QatarEnergy verbergen sich sieben Jahre Verzögerungen, ein Unternehmenskonkurs und eine Rechnung, die gegenüber dem ursprünglichen Kostenvoranschlag um ein Viertel gestiegen ist.
Wie aus 9,25 Mrd. Dollar 11,6 Mrd. Dollar wurden
Als das Gemeinschaftsunternehmen QatarEnergy (70%) und ExxonMobil (30%) 2019 einen Vertrag mit dem Auftragnehmer Zachry Industrial unterzeichnete, kostete das Projekt 9,25 Mrd. Dollar. Bis August 2022 waren es bereits 11,6 Mrd. Dollar: Pandemie-bedingte Inflation, Lieferkettenunterbrechungen, hunderte offizielle Warnungen von Zachry vor Budgetüberschreitungen, die nach späteren Aussagen des Unternehmens von ExxonMobil ignoriert wurden.
Im Mai 2024 reichte Zachry eine Insolvenzanmeldung nach Chapter 11 ein,
— und stellte die Arbeit mehrerer tausend Bauarbeiter auf der Baustelle ein. Nach einer Vergleichseinigung stieg Zachry aus dem Vertrag aus; die Fertigstellung übernahmen McDermott und Chiyoda International.«mit Verweis auf pandemiebedingte Kostensteigerungen und Verzögerungen»
Riviera Maritime Media
Was in Betrieb genommen wurde — und was noch nicht
Derzeit läuft nur das erste von drei Technologiemodulen (Train 1). Wie OilPrice.com berichtet, laufen Bau und Inbetriebnahme von Train 2 und Train 3 noch. Die Projektkapazität der Anlage beträgt 18 Millionen Tonnen LNG pro Jahr, was sie zu einem der größten Exportterminals der USA machen wird — aber nur, wenn alle drei Module im Vollbetrieb laufen.
Der Start von Train 1 verzögerte sich bereits selbst: Das Unternehmen sollte ursprünglich in der ersten Jahreshälfte 2025 die Produktion aufnehmen, dann wurden die Fristen um etwa sechs Monate verschoben, und das erste LNG der Anlage wurde noch früher erzeugt — am 30. März 2025 — als technologische «Kühlung» der Ausrüstung.
Warum das über Texas hinaus wichtig ist
Golden Pass wurde für die globale LNG-Nachfrage gebaut, die nach 2022 stark anstieg — als Europa eine dringende Umorientierung vom russischen Pipelinegas einleitete. Eine volle Kapazität von 18 Millionen Tonnen pro Jahr entspricht ungefähr 10% des Gesamtvolumens der LNG-Einfuhren in die EU im Jahr 2023. Katar profitiert dabei nicht nur vom Gasverkauf, sondern auch von einer Basis für amerikanische Exporte: QatarEnergy kontrolliert 70% des Unternehmens auf US-Gebiet, was Flexibilität bei der Routenwahl von Ladungen je nach Marktlage bietet.
- Erste Ladung: Tanker Al-Qaiyyah, 174.000 m³, verschifft am 23. April 2025
- Endgültiger Kostenvoranschlag: über 11,6 Mrd. Dollar gegenüber den ursprünglichen 9,25 Mrd. Dollar
- Verzögerung: Der Konkurs von Zachry führte mindestens 6 Monate Verzögerungen mit sich
- Betriebsbereitschaft: Train 1 läuft; Train 2 und 3 werden derzeit in Betrieb genommen
Die eigentliche Frage wird sich stellen, wenn Train 2 und 3 volle Leistung erbringen: Kann Golden Pass langfristige Verträge mit europäischen Käufern zu Preisen abschließen, die mit norwegischem Pipelinegas konkurrenzfähig sind — oder bleibt das Projekt ein Werkzeug katarischer Flexibilität und nicht wirklich eine Alternative für Europa?