Im Dezember 2025 reiste Trumps Sondergesandter John Cole nach Minsk – und nach Verhandlungen mit Lukaschenka wurden aus dem Land 123 politische Gefangene freigelassen. Am nächsten Tag gab das US-Finanzministerium eine Lizenz aus, die Operationen mit „Belaruskali", der Belarussischen Kalidünger-Gesellschaft und „Agrorozkvit" ermöglichte. Mit anderen Worten: Die 2021 wegen Repressionen verhängten Sanktionen wurden faktisch ausgesetzt, im Austausch für eine Geste, die Brüssel als unzureichend bezeichnete.
Aber es gibt ein Problem: Selbst ohne amerikanische Sanktionen kann belarussisches Kali nicht auf den Weltmarkt über die übliche Route gelangen. Die EU-Sanktionen verbieten nach wie vor den Transit belarussischer Kalidünger durch Litauen zum Hafen Klaipėda – der Schlüsselroute für Exporte bis 2021. Deshalb wandte sich Washington an Vilnius.
„Zusätzliche Aktivität" – ein diplomatisches Wort für Druck
Litauens Außenminister Kęstutis Budris bestätigte: Es gibt Druck. „Ich kann sagen, dass ja, in dieser Angelegenheit von den USA zusätzliche Aktivität zu beobachten ist", sagte er in einem Kommentar zur litauischen Publikation Delfi. Budris warnte auch davor, dass Minsk die Verbesserung der Beziehungen zu den USA nutzen könnte, um den Druck auf Litauen zu verstärken.
„Die von der Europäischen Union gegen Weißrussland verhängten Sanktionen bleiben in Kraft"
Kęstutis Budris, Außenminister Litauens
Die Position Vilnius' bleibt bisher unverändert: Solange die EU-Sanktionen gelten – wird es keinen Transit geben. Litauens Präsident Gitanas Nausėda sucht nach Verbündeten: Er äußerte die Hoffnung, eine starke Koalition zu bilden, die sich entschieden gegen den Export belarussischer Düngemittel durch litauische Häfen ausspricht, und hat sich bereits das Verständnis des deutschen Bundeskanzlers gesichert.
Was hinter den Zahlen steckt
Die Einsätze für beide Seiten sind konkret. Vor der Einführung der Sanktionen exportierte Weißrussland jährlich 10–12 Millionen Tonnen Kalidünger und erzielte etwa 2,5 Milliarden Dollar Deviseneinnahmen. Für Litauen war die Sperrung der Route ebenfalls schmerzhaft: Der Durchsatz von Klaipėda fiel um etwa 20%, die Eisenbahn verlor jährlich etwa 100 Millionen Euro.
Allerdings importieren die USA etwa 88% ihres Kaliums aus Kanada und etwa 8% aus Russland. Vor den Sanktionen machte der Import von Kalidüngern aus Weißrussland etwa 5% des Gesamtvolumens aus. Mit anderen Worten: Der amerikanische Markt ist vom belarussischen Kali kaum abhängig – was den Druck auf Litauen eher zu einer geopolitischen Geste gegenüber Minsk macht als zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit für die USA selbst.
Die Logik des Deals – und wo sie bricht
Die Trump-Administration sieht Weißrussland als potenzielle „Brücke" zu Putin, um eine schnellere Beendigung des Krieges in der Ukraine zu erreichen. Die Lockerung der Sanktionen ist Teil dieses Handels. Aber die Konstruktion ist brüchig: Die Amerikaner hoben ihre Beschränkungen auf, doch die EU-Sanktionen sind nicht verschwunden. Litauen befindet sich in der Rolle eines Puffers zwischen zwei Sanktionssystemen, die nicht mehr synchronisiert sind.
- US-Sanktionen gegen „Belaruskali" – faktisch ausgesetzt durch eine Finanzministeriums-Lizenz
- EU-Sanktionen gegen den Transit durch Klaipėda – gelten
- Litauens Position – den EU-Sanktionen folgen, ungeachtet des Drucks aus Washington
Wenn Brüssel nicht Washington folgt und seine eigenen Beschränkungen nicht lockert, bleibt die gesamte Konstruktion „Dünger gegen Gefangene" unvollständig: Lukaschenka erhielt internationale Rehabilitierung, aber nicht das Geld. Die Frage ist, ob Trump sich damit zufriedengeben wird – oder ob der nächste Schritt ein direktes Gespräch mit Brüssel über eine Synchronisierung der Sanktionspolitik sein wird, die die EU bisher nicht gefordert hat.