In vier Wochen bis zum 12. Juli verschiffte Russland durchschnittlich 4,21 Millionen Barrel Öl pro Tag — nur 10.000 Barrel weniger als der absolute Rekord seit Beginn der Vollmachtinvasion, nach Angaben von Bloomberg. Doch ein Rekordfluss bedeutet nicht automatisch Rekordeinnahmen: Öl sammelt sich auf Tankern schneller an, als es Käufer findet.
Warum Russland mehr ausführt, aber weniger verdient
Die Mechanik ist einfach: Wenn Raffinerien Öl nicht verarbeiten können — muss es irgendwohin. Nach Schätzungen des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte wurden bis Anfang Juli ukrainische Anschläge 42,7 % der geplanten Raffinationskapazitäten Russlands außer Betrieb gesetzt. Im letzten Monat wurden acht Werke angegriffen und mehr als 60 Lagertanks zerstört oder kritisch beschädigt.
«Systematische Anschläge auf Ölraffinerieobekte haben zu Finanzverlusten der Branche in Höhe von etwa 13,5 Milliarden Dollar seit August 2025 geführt».
Generalstab der Streitkräfte der Ukraine, Juli 2026
Russland förderte im Mai etwa 9 Millionen Barrel pro Tag — fast 700.000 Barrel weniger als seine eigene Quote im Rahmen der OPEC+-Vereinbarung, wie Bloomberg unter Berufung auf Daten der Organisation berichtet. Eine Senkung der Förderung bei gleichzeitigem Anstieg der Exporte bedeutet eine Sache: Der Inlandsverbrauch von Öl — und vor allem die Raffination — ist stark gesunken.
135 Millionen Barrel auf dem Meer — was bedeutet das
Das Volumen russischen Öls an Bord von Tankern nähert sich 135 Millionen Barrel — nahezu dem Maximum seit Anfang 2026. Nach Bloomberg-Daten erfolgt die Ansammlung genau deshalb, weil das Verladungstempo das Liefertempo übersteigt: Käufer zögern entweder, Verträge zu bestätigen, oder verhandeln niedrigere Preise.
Urals — das wichtigste russische Öl-Sorten — wird mit einem Abschlag von etwa 2–3 Dollar pro Barrel zu Brent für Lieferungen nach Indien und China gehandelt, wie Reuters unter Berufung auf Händler berichtet. Dies ist ein starker Kontrast zu April–Mai, als Urals mit einer Prämie von 7–8 Dollar gehandelt wurde. Der Druck kommt von zwei Seiten: schwache Nachfrage von chinesischen Raffinerien und Beschränkungen des «Schattentankerflottenflotts» durch Sanktionen.
- Der durchschnittliche jährliche Seeexport Russlands im Jahr 2026 — 3,49 Millionen b/d, höher als in jedem Jahr nach Februar 2022.
- Der aktuelle Indikator von 4,21 Millionen b/d übersteigt dieses Jahresmittel um fast 20 %.
- Die IEA verzeichnet: Im Juni stiegen die globalen Ölreserven «auf dem Wasser» stark an — genau wegen russischer Volumen.
Sanktionen und «Schattentankerflotte»
Russland reorientierte Seelieferungen auf eine Flotte mit undurchsichtiger Versicherung und Registrierung. Je mehr Barrel aber bewegt werden müssen — desto mehr ist diese Flotte überlastet, und die Abschläge, die Moskau geben muss, wachsen. Nach Schätzungen von Analysten von Vox Ukraine stieg die Logistikprämie allein zwischen dem Verlade- und dem Bestimmungshafen in Indien zu Anfang 2026 auf 18 Dollar pro Barrel — noch vor dem aktuellen Preiseinbruch.
Bloomberg schätzte den durchschnittlichen Urals-Preis im Juni auf etwa 62 Dollar pro Barrel. Doch Russlands Finanzminister Anton Siluanov legte in der Haushaltsplanung 59 Dollar als Untergrenze fest. Wenn der Preis bei 55–57 Dollar bleibt — bricht das Haushaltsmodell zusammen.
Die taktische Logik der ukrainischen Kampagne ist geklärt: Anschläge auf Raffinerien zwingen Russland, Rohöl zu Dumping-Preisen zu verkaufen, anstatt fertige Ölprodukte mit höherer Marge zu verkaufen. Die Frage ist, ob dieses Modell dem Druck standhalten wird, wenn Indien oder China doch noch die überschüssigen Volumen zu einem Preis aufnehmen, der das russische Haushaltsdefizit deckt — und wann genau ihre Raffinerien nach eigenen geplanten Wartungsstopps wieder auf volle Kapazität fahren.