Am 19. Mai 2025 leitete das Bundesfinanzministerium offiziell den Privatisierungsprozess von Uniper ein. Interessierte Investoren sollten ihre Gebote bis zum 12. Juni einreichen — danach wird Berlin entscheiden: Das Unternehmen an einen strategischen Käufer verkaufen oder durch einen Börsengang (IPO) an die Börse bringen.
Nach Angaben von Reuters hält der Staat 99,12% der Anteile an Uniper und ist verpflichtet, seinen Anteil bis spätestens Ende 2028 auf nicht mehr als 25% plus eine Aktie zu reduzieren — eine Anforderung der Europäischen Kommission.
Wie Uniper zum Staatsunternehmen wurde
Bis 2022 war Uniper der größte Gaskundendes Gazprom in Europa. Als Russland nach der vollständigen Invasion der Ukraine die Gaslieferungen durch die „Nordstream" zu reduzieren begann und diese dann vollständig einstellte, war Uniper gezwungen, Gas am Markt zu Spotpreisen — also Krisenpreisen — zu kaufen. Das Unternehmen verlor jeden Monat Milliarden.
Nach Angaben von Euronews überstieg die Gesamtsumme der Verstaatlichung 51 Milliarden Euro — hauptsächlich aus Steuermitteln, da die Bundesregierung die Gasumlage aufhob, die einen Teil der Kosten durch Tarife hätte decken sollen. Allein 2022 pumpte der Staat etwa 13,5 Milliarden Euro in das Kapital des Unternehmens.
„Dies ist ein großer Teil der deutschen Gasrechnung, die jetzt aus dem Haushalt bezahlt wird — anstatt wie geplant durch die Gasumlage"
— Klaus-Dieter Maubach, Generaldirektor von Uniper, 2022
Im März 2025 zahlt Uniper dem Staat 2,6 Milliarden Euro zurück — die erste echte Rückzahlung der Staatshilfen gemäß einer Entscheidung der Europäischen Kommission.
Brookfield oder IPO: zwei Szenarien mit unterschiedlichen Risiken
Unter den potenziellen Käufern nennt Euronews den kanadischen Investmentfonds Brookfield — das Unternehmen, das vom ehemaligen Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, geleitet wird. Die aktuelle Marktkapitalisierung von Uniper beträgt etwa 18,3 Milliarden Euro, doch Analysten warnen, dass der Verkauf mit einem Rabatt auf diesen Betrag erfolgen könnte.
Das alternative Szenario — re-IPO: eine teilweise Platzierung von Aktien an der Börse mit Beibehaltung eines Sperrpakets durch den Staat. Genau diesen Weg unterstützen die Gewerkschaften.
„Wir betrachten jeden Übernahmeversuch als einen feindseligen Akt gegen die Interessen der Arbeitnehmer und werden uns dagegen entschieden widersetzen"
— Harald Segatze, Vorsitzender des Betriebsrats von Uniper, Bloomberg, Juni 2025
Die Gewerkschaften Verdi und IGBCE richteten einen gemeinsamen Brief an mehrere Minister und forderten, direkte Verkaufsverträge auszuschließen. Die Arbeitnehmer bestehen darauf: Ein Börsengang mit 25% Staatsbeteiligung — das ist die einzige Option, die sowohl Beschäftigung als auch strategische Interessen des Landes schützt.
Was bedeutet das für gewöhnliche Verbraucher?
Uniper ist kein abstraktes Holdinggesellschaft: Das Unternehmen handelt mit Strom und Gas in über 40 Ländern, besitzt Gasspeicher und Erzeugungskapazitäten. Wer der neue Eigentümer wird und welche Strategie er verfolgt, hat direkte Auswirkungen auf die Tarife der kommunalen Versorgungsunternehmen — und damit auf die Rechnungen der Haushalte in Deutschland und den Nachbarländern.
Sollte Brookfield oder ein anderer privater Fonds die Kontrolle erhalten, wird die Rentabilität im Vordergrund stehen — nicht etwa die Versorgungssicherheit in einer Krise. Dieses Szenario beunruhigt die Gewerkschaften zu Recht: 2022 war es genau die kommerzielle Logik von Uniper — die maximale Abhängigkeit von billigem russischem Gas — die Berlin über 51 Milliarden Euro kostete.
Falls die Regierung sich für einen Börsengang entscheidet, bleibt das Unternehmen unter teilstaatlicher Kontrolle, wird aber anfällig für Marktvolatilität — besonders in einer Situation, in der Uniper in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 bereits einen deutlichen Gewinnrückgang gegenüber dem Rekordjahr 2024 verzeichnet.
Berlin hat den Gewinner noch nicht bekannt gegeben. Die Entscheidung wird nach dem Sommer erwartet — und sie wird der erste große Test für die neue Regierung von Friedrich Merz in einer Frage, in der Steuerzahlergeld, Energiesicherheit und Druck von Gewerkschaften in verschiedene Richtungen ziehen.
Wenn sich Berlin für einen direkten Verkauf an einen privaten Fonds entscheidet — wird der Staat dann über die Hebel verfügen, um die nächste Krise zu stoppen, wenn der neue Eigentümer wieder die Versorgungssicherheit zu Lasten von Kosteneinsparungen optimiert?