Japan investierte 16 Milliarden Dollar in Chips, die es noch nicht gibt: Wette auf Rapidus mit eingebauter Verstaatlichungsoption

Tokio billigte neue Subventionen in Höhe von 4 Milliarden Dollar für den staatlichen Startup Rapidus – ein Unternehmen, das bisher keinen einzigen Serienhalbleiter hergestellt hat, aber bereits mit über 60 potenziellen Kunden verhandelt. Der Hauptkunde und gleichzeitig einer der Anteilseigner ist Fujitsu.

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Генеральний директор Rapidus Ацуєсі Коїке (фото - Аріса Моріяма / Nikkey Asia)

Im Juli 2025 stellte das Werk von Rapidus in Chitose (Hokkaido) die ersten Testwafer nach der 2-nm-Technologie her. Die Serienproduktion gibt es noch nicht — sie ist für 2027 geplant. Doch die japanische Regierung hat bereits das Äquivalent von 16,3 Milliarden Dollar in das Projekt investiert und hat nicht vor, stehenzubleiben.

Was kauft Japan für dieses Geld

Rapidus ist kein gewöhnliches Startup. Es wurde 2022 von acht Konzernen gegründet: Toyota, SoftBank, Sony, NEC, Kioxia, Mitsubishi UFJ Bank und andere, mit einem Anfangskapital von 7,3 Milliarden Yen. Der Staat trat als Hauptinvestor bei — und behielt sich das Recht vor, nicht stimmberechtigte Aktien in Stammaktien umzuwandeln, wodurch er faktisch einen Mechanismus zur Zwangskontrolle über das Unternehmen erhalten würde, falls etwas schiefgeht.

„Seit Jahresbeginn ist die Nachfrage der Kunden nach fortgeschrittenen Chips stark gestiegen"

— CEO Rapidus Atsuyoshi Koike, Februar 2026

Die neuen Subventionen in Höhe von 631,5 Milliarden Yen (4 Milliarden Dollar) sind speziell für Fujitsu gedacht — den ersten bestätigten Kunden. Fujitsu erwägt gleichzeitig eine Investition von bis zu 20 Milliarden Yen in Rapidus selbst. Das heißt, Japan finanziert ein Unternehmen, das Chips für einen Kunden herstellt, der selbst sein Aktionär ist.

Die technologische Lücke, die überwunden werden muss

Die modernsten Kapazitäten Japans selbst liegen heute bei 40 nm. TSMC produziert bereits 2 nm im industriellen Maßstab und entwickelt 1,6–1,4 nm. Rapidus nutzt High-NA-EUV-Ausrüstung von ASML und technische Unterstützung von IBM — etwa 10 IBM-Ingenieure arbeiten ständig im Werk in Chitose. Nach 2 nm ist das Ziel 1,4 nm, dann 1 nm. Die Gesamtkosten dieses Weges werden auf über 7 Billionen Yen geschätzt.

  • Vom Staat bereits bereitgestellt: ca. 2,9 Billionen Yen
  • Von Banken und privaten Investoren zu akquirieren: ca. 4 Billionen Yen
  • Privater Sektor in der letzten Finanzierungsrunde: 130 Milliarden Yen — von 32 Unternehmen, darunter Sony, Toyota, Canon, Seiko Epson

Warum Privatunternehmen noch zögerlich sind

Trotz der wachsenden Aktionärsliste bleiben private Investoren deutlich vorsichtiger als der Staat — wegen technologischer Unsicherheit und dem Fehlen eines bestätigten Auftragsportfolios. Nach Angaben von Digitimes koordinieren regionale Banken lediglich „mögliche Investitionen", und die endgültigen Beträge der Beteiligten könnten sich noch ändern. Premierminister Shigeru Ishiba gab öffentlich zu: Die Ausgaben der Steuerzahler erfordern eine klare Strategie — betonte aber, dass ein Rückstand im globalen Halbleiterrennen irreversibel wäre.

Parallel führt Rapidus Verhandlungen mit über 60 potenziellen Kunden in den Bereichen KI, Robotik und Edge-Computing, darunter das amerikanische Startup Tenstorrent, das RISC-V-Prozessoren als Alternative zu Nvidia entwickelt.

Die Wette ist platziert, aber nicht bestätigt

Japan verlor seine Führungsposition bei Chips in den 1990er Jahren, als Samsung und TSMC NEC, Hitachi und Mitsubishi Electric überholten. Rapidus ist ein Versuch der Rückkehr — nicht durch das Aufholen, sondern durch einen Sprung direkt an die Spitze. Ein Präzedenzfall existiert: Die Einbeziehung von TSMC in Kumamoto zeigte, dass staatliche Subventionen die Industriegeografie verändern können.

Aber TSMC kam mit etablierter Produktion. Rapidus startet von Null — mit den ersten Testwafer, ehrgeiziger Deadline 2027 und einem Staat, der das Unternehmen rechtlich kontrollieren kann, wenn es nicht zurechtkommt.

Falls Rapidus bis Ende 2026 keine Verträge mit mehreren vom Staat unabhängigen Kunden unterzeichnet, riskiert die Investition, sich in das teuerste Industrieexperiment der japanischen Geschichte ohne kommerzielle Ergebnisse zu verwandeln.

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