Sergej Repezkyj, Partner des Schweizer Maklerunternehmens Sunstone Brokers, beschrieb die Situation prägnant: Bei Sonnenblumenpreisen von 33.000–34.000 UAH pro Tonne gibt es schlicht keine Verarbeitungsmarge. Die noch tätigen Fabriken arbeiten von Rohstoffbeständen, die im März-April gebildet wurden. Neue Chargen zu solchen Preisen anzunehmen, ist unrentabel.
Die Schere zwischen Rohstoff und Öl
Das Problem liegt nicht darin, dass Sonnenblumen plötzlich teurer geworden sind, sondern darin, dass die Preise dafür schneller stiegen als für das Endprodukt. Nach Angaben von Spike Brokers stieg der Indikativpreis für Sonnenblumen auf 709 Dollar pro Tonne (CPT, Verarbeitung), während Sonnenblumenöl auf diese Dynamik nicht reagierte. Der Unterschied zwischen Rohstoffkosten und Produktwert – das ist die Marge, die verschwunden ist.
Die Folge ist eine massive Umorientierung. Die meisten Verarbeitungsfabriken sind zu Soja und Raps übergegangen, wo die Rentabilität erhalten blieb. Die internen Nachfragepreise für Rohsonnenblumenöl sprangen auf 58.000–60.000 UAH pro Tonne (1.160–1.200 USD/t) unter FCA-Fabrik-Bedingungen, während die Situation noch vor einigen Monaten grundlegend anders war.
Was das für den Markt bedeutet
Ein Mangel an Sonnenblumenöl im Inland ist bereits ein Faktum, das „APK-Inform" registriert. Es gibt aber auch eine externe Dimension: Nach Angaben von Forbes Ukraina fiel der Export von Sonnenblumenöl im August 2025 auf ein dreijähriges Minimum. Die Saison 2024/2025 erwies sich als die schwierigste für die Sonnenblumenverarbeitung in den letzten Jahren.
„In der Ukraine wird zum Ende der Saison 2024–2025 ein Mangel an Sonnenblumenölangeboten beobachtet, hervorgerufen durch ein begrenztes Sonnenblumenangebot und den Übergang der meisten Fabriken zur Verarbeitung von Soja und Raps".
APK-Inform
Parallel entfaltet sich eine andere Geschichte – die des Rapses. Dank der Ausfuhrgüter auf Rohrapskuchen ist die inländische Verarbeitung im Wirtschaftsjahr 2025/26 um das 2,6-Fache gestiegen, und der Export von Rapsöl wird nach Prognose der UKAB um das 2,7-Fache – auf 576 Tausend Tonnen – zunehmen. Die Fabriken stehen nicht still – sie sind nur umgeschaltet.
Ein struktureller Wandel, keine saisonale Pause
Ein wichtiger Punkt: Die Ukraine verarbeitete traditionell alle Sonnenblumen im Inland – das war die Hauptwettbewerbsregel der Branche. Jetzt bedient die gleiche Verarbeitungskapazität andere Kulturen. Die Infrastruktur ist nicht verschwunden – ihr Inhalt hat sich geändert.
- Sonnenblumenöl wird teurer wegen des Mangels, schafft aber bislang keinen neuen Anreiz zur Sonnenblumenverarbeitung – auch der Rohstoffpreis fällt nicht.
- Raps erhielt strukturellen Schutz durch Zölle, und Verarbeiter haben dieses Signal bereits in ihre Pläne eingebaut.
- Soja nimmt eine mittlere Position ein – wird je nach Marktlage verarbeitet und exportiert.
Wenn im neuen Wirtschaftsjahr 2025/26 der Sonnenblumenpreis nicht auf Niveaus zurückgeht, auf denen die Verarbeitung wieder rentabel wird, könnte die Ukraine in das nächste Jahr mit chronisch unterkapazitärer Sonnenblumenölproduktion eintreten – und Marktanteile verlieren, die bereits nach alternativen Lieferanten suchen, insbesondere Indien, das diese Saison aktiv ukrainisches Öl aufkaufte.