Energie des Krieges: Wie steigende Treibstoffpreise der Wirtschaft schaden und den Aggressor stärken

NBU warnt: Der Schock auf dem Energiemarkt hat die Inflation bereits erhöht und verschafft Russland zusätzlichen fiskalischen Spielraum für den Krieg. Wir analysieren die Zahlen, die Mechanismen und mögliche Folgen für die Ukraine.

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Володимир Лепушинський (Фото: НБУ)

Geld liebt die Stille: Was bereits passiert

Vertreter der Nationalbank der Ukraine (NBU) stellten bei einem Briefing fest: die Teuerung von Kraftstoffen hat bereits Einfluss auf das makroökonomische Bild der Ukraine. Diese Nachricht ist nicht nur für Ökonomen wichtig – sie betrifft direkt die Preise in den Geschäften, den Haushalt und die Sicherheit des Landes.

„Tatsächlich haben wir bereits im März einen Anstieg der Kraftstoffpreise um 12,5 %. Höchstwahrscheinlich wird diese Zahl auf 16 % steigen. Der Beitrag zum Jahresinflationsrate durch den Anstieg der Kraftstoffpreise würde bei einer Verfestigung der Preise bei etwa 0,45 Prozentpunkten liegen.“

— Володимир Лепушинський, stellvertretender Leiter der NBU

Die NBU betont mögliche sekundäre Effekte – denn die Kosten für Kraftstoffe sind in den Preisen der Endprodukte enthalten. Nach Einschätzung der Aufsichtsbehörde kann die zweite Wirkungsstufe den primären Effekt auf die Inflation verdoppeln.

Position der NBU: Wirtschaft und Sicherheit verflochten

„Der Krieg im Nahen Osten schafft leider zusätzlichen fiskalischen Spielraum für Russland, um den Krieg fortzusetzen und zu führen. Ein weiterer Punkt – ein langwieriger Konflikt kann einen gewissen Defizitbedarf erzeugen, der mit der Notwendigkeit verbunden ist, ein ausreichendes Niveau der Luftabwehr aufrechtzuerhalten. Zusammen mit dem fiskalischen Effekt steigt das Risiko einer Intensivierung der Beschussangriffe.“

— Андрій Пишний, Leiter der NBU

Die Weltmarktpreise für Öl und Gas sind nach Angriffen auf Anlagen in der Region gestiegen: an den Börsen und in Agenturmeldungen liegen die weltweiten Kurse bereits über $110 pro Barrel. Die NBU warnt: sollten sich die Preise im Bereich von $80–100 pro Barrel etablieren, könnten die wertmäßigen Importvolumina auf $3 Mrd. steigen, was das Handelsbilanzdefizit verschärfen und Druck auf die Hrywnja ausüben würde.

Was das praktisch bedeutet: drei zentrale Folgen

1. Inflationsdruck. Wenn sich die höheren Kraftstoffpreise verfestigen, würde der Beitrag zur Jahresinflation bei rund 0,45 Prozentpunkten liegen, und unter Berücksichtigung sekundärer Effekte deutlich höher ausfallen.

2. Fiskalische Belastung und Sicherheit. Höhere Preise verschaffen dem Aggressor zusätzliche Einnahmen. Das erhöht die Risiken für unseren Haushalt: mehr Ausgaben für Verteidigung und Luftabwehr, potenzielle Verstärkung der Beschussangriffe.

3. Handelsbilanz und Wechselkurs. Steigende Kosten für Energieimporte üben zusätzlichen Druck auf die Zahlungsbilanz aus und erfordern entweder Devisenunterstützung von Partnern oder eine Verstärkung der inneren wirtschaftlichen Stabilisierung.

Warum das passiert ist und was zu tun ist

Ursache ist ein geopolitischer Schock: Angriffe auf Gas- und Raffinerieanlagen in der Region und das Risiko einer Blockade der Straße von Hormus. Das ist nicht nur eine Marktschwankung, sondern eine strategische Verschiebung der Risikoverteilung für Energieflüsse.

Die Reaktion muss umfassend sein: monetäre Schritte der NBU zur Eindämmung der Inflation, fiskalische Disziplin sowie diplomatische und materielle Unterstützung der Partner, um den außenwirtschaftlichen Schock zu kompensieren. Der Export landwirtschaftlicher Produkte kann einen Teil der Effekte mildern, ersetzt jedoch nicht den Bedarf an externer Finanzierung und Verteidigungsressourcen.

Fazit

Der Anstieg der Energiepreise ist nicht nur eine wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch ein Sicherheitsfaktor. Die NBU nennt klare Zahlen: Es gibt bereits einen Effekt auf die Inflation, und bei höheren Preisen droht eine Verschärfung der fiskalischen Belastung. Die Frage ist, ob die Partner ihre Unterstützungsbekundungen in konkrete Instrumente umsetzen, die die Risiken für Haushalt und Verteidigung der Ukraine mindern.

Reichen Zeit und Ressourcen aus, um die makroökonomische Stabilität zu halten und dem Aggressor keinen neuen „fiskalischen Spielraum“ zu eröffnen? Die Antwort hängt von der Geschwindigkeit der Entscheidungen in Kiew und der Bereitschaft unserer Partner zu handeln ab.

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