Am 7. April 2026 gab die niederländische Gruppe ING die Beendigung der Vereinbarung über den Verkauf der ING Bank (Eurasia) an „Global Development" bekannt. Die Vereinbarung wurde bereits am 28. Januar 2025 unterzeichnet und blieb dann über ein Jahr lang in der Schwebe, während der Käufer die erforderlichen behördlichen Genehmigungen nicht einholen konnte.
Ein Jahr Wartezeit — und null Ergebnis
Die Transaktion sollte im dritten Quartal 2025 abgeschlossen werden. Stattdessen wird die ING einen Verlust verbuchen: Nach einer offiziellen Pressemitteilung der Gruppe beläuft sich der finanzielle Schaden auf etwa 0,8 Mrd. € nach Steuern — ungefähr 0,5 Mrd. € Buchwert-Verlust und weitere 0,3 Mrd. € aus der Neubewertung der Währungsposition.
„Unsere Position ist unverändert: Wir sehen keine Zukunft für die ING in Russland und bleiben konzentriert auf die Beendigung unserer Aktivitäten auf dem russischen Markt"
— offizielle Erklärung der ING
Die Bank merkt an, dass sie alternative Szenarien für den Ausstieg mit vergleichbarem finanziellem Einfluss erwägt. Die Offshore-Exposition der ING gegenüber russischen Kunden ist in den Jahren 2022–2025 um fast 90% gesunken — auf 0,6 Mrd. €.
Der Kreml als stiller Veto-Spieler
Formal hat Russland die Vereinbarung nicht verboten — es hat einfach keine Genehmigung erteilt. Dies ist eine subtilere, aber effektivere Form der Kontrolle: Eine ausländische Bank kann einen Vermögenswert weder verkaufen noch schnell liquidieren. Eine ähnliche Dynamik erlebte auch die Citibank — nach Angaben des KSE Institute begann ihre russische „Tochter" erst im November 2025 mit der endgültigen Ausstiegsphase, mit einem geplanten Verkauf an die Gruppe „Renaissance Capital" in der ersten Hälfte 2026.
Gleichzeitig praktiziert Russland parallel direkte Konfiszierungen: Anfang 2026 wurden Vermögenswerte des dänischen Unternehmens Rockwool und des polnisch-amerikanischen Unternehmens CanPack durch Entscheidungen staatlicher Behörden unter russische Kontrolle gestellt.
13% in drei Jahren — und das Tempo sinkt
Der Fall ING fügt sich in ein umfassenderes Bild ein, das die Kiewer Schule für Ökonomie dokumentiert. Nach Angaben des KSE Institute haben standhaft im Januar 2026 nur 547 internationale Unternehmen — oder 12,8% der Unternehmen, die vor der vollständigen Invasion in Russland tätig waren — den Markt vollständig verlassen. Über 55% setzen ihre Aktivitäten fort, der Rest gibt eine Aussetzung oder Ausstiegspläne an.
Im Jahr 2025 verließen mindestens 80 Unternehmen Russland — durchschnittlich 20 pro Quartal. Dies ist deutlich weniger als in den Spitzenjahren 2022–2023. Seitdem zahlte das ausländische Geschäft Dutzende Milliarden Dollar in die russische Staatskasse: nur 2023 schätzungsweise 21,6 Milliarden Dollar an Steuern.
- 547 Unternehmen verließen Russland vollständig seit Februar 2022
- Über 2.200 setzen ihre Arbeit dort fort
- 0,8 Mrd. € — erwarteter Verlust der ING aus dem gescheiterten Verkauf
- ~90% — Reduktion der Offshore-Exposition der ING gegenüber der RF in drei Jahren
Für die ING hängt der nächste Schritt davon ab, ob der Kreml einen anderen Käufer zulassen wird — oder ob er eine Liquidation unter Bedingungen erlaubt, die den Ausstieg nicht in eine Konfiszierung mit Entschädigungen in Rubeln zum Wechselkurs der russischen Zentralbank umwandeln. Wenn Moskau Vereinbarungen durch ein stilles Veto weiterhin blockiert, lautet die Frage direkt: Kann ein großer westlicher Bank aus Russland aussteigen, ohne dass der Kreml selbst entscheidet — wer, wann und zu welchem Preis.