Ukrposhta macht eine 180-Grad-Wende: Warum der Staatskonzern nun Mehrwertsteuer auf Pakete von Temu und AliExpress fordert

Vor einem Jahr blockierte die Ukrposhta einen Gesetzentwurf zur Besteuerung kleiner Importpakete. Jetzt unterstützt sie ihn. Was sich geändert hat und warum dies gerade jetzt für alle vorteilhaft ist – außer für den Käufer.

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Фото: Укрпошта

Im Jahr 2025 wurden in die Ukraine 74,5 Millionen Pakete mit einem Zollwert von bis zu 150 Euro importiert — und von mehr als der Hälfte erhielt der Staat keinen einzigen Kopeken Mehrwertsteuer. Nach Berechnungen des Instituts für sozial-wirtschaftliche Transformation hat das Budget in diesem Jahr mindestens 18,6 Milliarden Hrywnja verloren. Mit diesen Zahlen in der Hand kamen die Befürworter des Gesetzentwurfs an den Verhandlungstisch — und nicht allein.

Was sich in der Position der Ukrposhta geändert hat

Die Direktorin der Abteilung für internationale Operationen der Ukrposhta, Julia Pawlenko, bestätigte die Änderung der Position des Unternehmens direkt: «Wir unterstützen diesen [überarbeiteten] Gesetzentwurf». Noch vor einigen Monaten war der Generaldirektor der Ukrposhta kategorisch dagegen — das Hauptargument war das Chaos, das beim Zoll durch fehlende digitale Integration entstehen könnte.

Jetzt, nach Aussage von Pawlenko, ist dieses Argument entschärft: 100% der Importpost werden bereits im papierlosen Modus verarbeitet, und der Gesetzentwurf selbst enthält Schutzvorrichtungen, die Importe von kleinen ausländischen Versendern nicht unterbrechen lassen. Das technische Hindernis ist verschwunden — und die Position hat sich geändert.

Was wirklich hinter den Zahlen steckt

Das Argument zur Zahlungsbilanz ist keine bloße Rhetorik. Jedes Jahr konkurrieren die chinesischen Marktplätze Temu und AliExpress durch die 150-Euro-Befreiung faktisch mit ukrainischen Herstellern unter ungleichen Bedingungen: Inländische Unternehmen zahlen 20% Mehrwertsteuer, importierte kleine Waren nicht.

«Jetzt leidet der ukrainische Hersteller unter dieser Befreiung. Denn unser Hersteller zahlt 20% Mehrwertsteuer, während der chinesische Hersteller nicht zahlt und diese Waren massenhaft in die Ukraine kommen. Das ist eine Verfälschung des Wettbewerbs und eine Unterdrückung unserer ukrainischen Hersteller».

Oleg Hetman, Koordinator der Expertengruppen der Wirtschaftsexperten-Plattform

Genau diese Marktplätze werden nach dem Plan des Gesetzentwurfs die Steuer verwalten und an den Haushalt überweisen — nicht der Zoll und nicht der Käufer auf der Post.

Wichtige Details

  • Befreiungsschwelle — nur Pakete bis zu 45 Euro als persönliche Geschenke oder Gegenstände bleiben ohne Mehrwertsteuer.
  • Marktplätze müssen eine finanzielle Garantie in Höhe von 100.000 Euro hinterlegen, um das Recht auf vereinfachtes Verwaltungsverfahren zu erhalten.
  • Übergangsjahr ohne verwaltungsrechtliche Haftung für unbeabsichtigte Fehler bei der Steuererstattung.
  • Inkrafttreten — nicht vor dem 1. Januar 2027, auf Basis einer separaten Entscheidung.
  • Die Annahme ist ein struktureller Meilenstein des Memorandums mit dem IWF vom 13. Februar 2026.

Der Gesetzentwurf wurde bereits vom zuständigen Ausschuss des Rates genehmigt. Den Schätzungen zufolge wird das neue Modell etwa 10 Milliarden Hrywnja pro Jahr für die Bedürfnisse des Sicherheits- und Verteidigungssektors einbringen. Die kumulativen Haushaltsverluste seit Beginn der großangelegten Invasion durch diesen Mechanismus könnten 43 Milliarden Hrywnja überschritten haben.

Die Frage ist nicht, ob es Mehrwertsteuer geben wird — sie wird es wohl geben. Die Frage ist, ob die Marktplätze mit ihrer Rolle als Steuervermittler ohne graue Schemen zur Paketteilung zurechtkommen, und ob 2027 ein echter Start wird, falls der IWF seine Prioritäten nicht vorher ändert.

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