Drei Jahre lang blieb UniCredit einer der wenigen großen westlichen Banken in Russland – und drei Jahre lang erklärte Generaldirektor Andrea Orcel öffentlich, warum es nicht so einfach ist, auszusteigen, wie es scheint. Die diese Woche angekündigte Vereinbarung ist eine Antwort auf diese Frage: unvollständig, aber real.
Was genau wurde vereinbart
UniCredit unterzeichnete ein unverbindliches Term Sheet mit einem „bekannten privaten Investor" aus den VAE – nach Angaben von Bloomberg ein Konsortium der Unternehmen Mada Capital und Asas Capital mit Beteiligung der Gruppe Inweasta. Gemäß der Vereinbarung wird die russische Tochtergesellschaft AT „UniCredit Bank" aufgeteilt: Internationale Zahlungen und die Bedienung von Unternehmenskunden ohne Wohnsitz bleiben unter der Kontrolle der Muttergruppe, der Rest des Geschäfts geht auf den Käufer über.
Die Vereinbarung wird sich auf die Finanzergebnisse auswirken: Wie MarketScreener unter Berufung auf Alliance News berichtet, rechnet die Bank mit Verlusten zwischen 3 und 3,3 Milliarden Euro. UniCredit besteht jedoch darauf, dass dies weder die Pläne zur Ausschüttung an die Aktionäre noch die langfristigen Gewinnziele beeinflussen wird.
Warum der Ausstieg so schwierig war
Orcel hat wiederholt von der Falle gesprochen, in der sich die Bank befindet. Einerseits der Druck von EZB-Regulatoren und Sanktionsanforderungen, deren Erfüllung er als „galaktische Anstrengungen" bezeichnete. Andererseits die Bedrohung durch Moskau.
„Russland wartet auf einen Fehler, um einen Grund für [Verstaatlichung] zu haben"
– Andrea Orcel, CEO von UniCredit, auf dem EZB-Forum für Bankenaufsicht
Seinen Worten nach erfordert die vollständige Einhaltung von Sanktionen enorme Ressourcen, und niemand kann sich hundertprozentig sicher sein, dass alles eingehalten wird. Ein Fehler hätte der Bank 3,8 Milliarden Euro Kapital kosten können – genau so hoch wird die Bewertung der russischen Tochtergesellschaft veranschlagt.
Der Käufer aus den VAE: praktische Logik
Dass sich der Käufer als eine Struktur aus den VAE herausstellte und nicht aus Russland oder dem Westen, ist kein Zufall. Die Emirate sind de facto zu einem Transitknoten zwischen sanktionierter und nicht-sanktionierter Wirtschaft geworden: Hier sind sowohl russisches Kapital als auch westliche Rechtsordnungen aktiv. Für UniCredit ermöglicht diese Lösung, die direkte Übertragung des Geschäfts unter russische Kontrolle zu vermeiden – was die Beziehungen zu EU-Regulatoren hätte erschweren können.
Gleichzeitig bleibt die Vereinbarung vorerst unverbindlich: Das Term Sheet ist nur eine Rahmenvereinbarung, der endgültige Vertrag ist noch nicht unterzeichnet. Der Abschluss der Vereinbarung ist für 2027 geplant – unter Berücksichtigung der Notwendigkeit, die Genehmigung von Regulatoren in mehreren Rechtsprechungen zu erhalten.
Was bleibt offen
UniCredit ist nicht allein: Der österreichische Raiffeisen hält immer noch eine bedeutende Präsenz in Russland und steht ebenfalls unter Druck der EZB, das Land zu verlassen. Ein Präzedenzfall für den Verkauf des „Rumpfgeschäfts ohne Wohnsitz" über eine VAE-Struktur könnte auch für diesen Bank zum Modell werden.
Aber die Schlüsselfrage ist praktisch: Sollten EU- oder US-Regulatoren entscheiden, dass die Beibehaltung selbst eines minimalen „Zahlungsfensters" in Russland gegen den Geist der Sanktionen verstößt – bricht das UniCredit-Schema noch vor 2027 zusammen. Von dieser Entscheidung hängt ab, ob diese Vereinbarung zum Beispiel eines kontrollierten Ausstiegs wird oder nur zu einer weiteren Verzögerung.