Hypothekenbelastete Immobilien im Wert von 72 Millionen, Kredit über 1,2 Milliarden: HAOK wird Bakhmatyuk in Abwesenheit vor Gericht stellen

Das Oberste Antikorruptionsgericht hat ein Sonderverfahren gegen den Eigentümer der VAB-Bank, seine Schwester und den Vorstandsvorsitzenden genehmigt – alle drei verstecken sich im Ausland und haben bereits Auslieferungen entgangen.

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Олег Бахматюк (фото - Андрій Гудзенко / LIGA.net)

Am 9. April genehmigte der Spezialisierte Antikorruptionsgericht (WAKS) einen Antrag des Staatsanwalts auf spezielles Gerichtsverfahren — also die Verhandlung ohne Anwesenheit der Angeklagten — gegen drei Schlüsselfiguren im Fall der VAB-Bank: den ehemaligen Eigentümer Oleg Bachmatyuk, den früheren Vorstandsvorsitzenden Denys Malzew und die frühere Aufsichtsratsvorsitzende Natalija Wasilyuk — Bachmatyuks leibliche Schwester. Die Entscheidung wurde während einer Live-Übertragung der Sitzung bekannt.

Worum es ihnen vorgeworfen wird

Nach Ansicht des Nationalen Büros zur Bekämpfung der Korruption (NABK) und der Spezialisierten Antikorruptionsbehörde (SAP) wandte sich die VAB-Bank im Oktober 2014, die bereits ernsthafte Liquiditätsprobleme hatte, an die Nationalbank um ein Stabilisierungsdarlehen. Die Bank erhielt 1,2 Milliarden Hrywnja unter Verpfändung von Immobilien — aber wie die Ermittlungen zeigten, betrug der tatsächliche Wert dieser Immobilien nur 72,62 Millionen Hrywnja. Mit anderen Worten: Die Sicherheit deckte weniger als 6% der Kreditersumme ab.

Neben der unterschätzten Sicherheit reichte die Bank Ermittlungen zufolge erforderliche Unterlagen nicht ein — insbesondere ein Finanzierungssanierungsprogramm. Dennoch vergab der Vorstand der Nationalbank das Darlehen. Nach Aussage der Ermittler arbeiteten das Management der VAB-Bank und Beamte der Nationalbank unter einer Absprache: Allein im Oktober 2014 statteten Bachmatyuk, Malzew und Wasilyuk mindestens je fünf separate Besuche in der Zentrale des Regulators in der Institutskaja ab.

«Einen Monat vor der Insolvenz der VAB-Bank erhielt die Bank 1,2 Milliarden Hrywnja unter Verpfändung von Immobilien mit einem tatsächlichen Wert von 72,62 Millionen Hrywnja»

Anklageversion, NABK/SAP

Nach Auffassung der Ermittler wurden die Mittel des Stabilisierungsdarlehens daraufhin aus der Bank abgezogen — unter anderem über Strohpersonen. Bereits 40 Tage nach Erhalt des Geldes erklärte die Nationalbank die VAB-Bank für zahlungsunfähig, setzte im November 2014 eine vorläufige Verwaltung ein und widerrief im März 2015 die Lizenz sowie liquidierte die Bank.

Warum das Verfahren zum Verfahren in absentia führte

Bachmatyuk und Wasilyuk waren bereits im November 2019 zur Fahndung ausgeschrieben worden — zum Zeitpunkt der Ermittlungsmaßnahmen befanden sich beide im Ausland. Auch Malzew wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Die Hauptanklage des NABK und der SAP wurde gegen 15 weitere Beteiligte beim WAKS eingereicht — unter ihnen der erste stellvertretende Gouverneur der Nationalbank Alexander Pisaruk, Mitglied des Rates der Nationalbank Mykola Kalensky, Direktorin der Abteilung für Bankaufsicht Alla Schulga und andere. Die Verfahren gegen Bachmatyuk, Malzew und Wasilyuk wurden separat ausgegliedert und aufgrund der Fahndung ausgesetzt.

Im März 2025 lehnte das Landgericht Wien einen Auslieferungsantrag der Generalbundesanwaltschaft gegen Bachmatyuk nach Ukraine ab — und bezeichnete den Antrag als «unzulässig». Bachmatyuk selbst interpretierte dies als Bestätigung der Unbegründetheit des Verfahrens. Nach der österreichischen Ablehnung griffen die Staatsanwälte auf das Mechanismus in absentia zurück — ein spezielles Verfahren, das das Strafgesetzbuch der Ukraine ermöglicht, wenn der Verdächtige sich verborgen hält und zur internationalen Fahndung ausgeschrieben ist.

Was kommt als Nächstes

Die Genehmigung des WAKS für das Verfahren in absentia ist ein verfahrenstechnischer, nicht jedoch ein Verurteilungsschritt. Das Gericht bestätigte lediglich, dass das Verfahren ohne die Angeklagten verhandelt werden kann. Es folgt die eigentliche Hauptverhandlung: Beweiserhebung, Befragung von Zeugen, Stellungnahmen der Verteidigung. Ein Urteil, falls gefällt, hat zwar rechtliche Kraft, kann aber praktisch nur im Fall der Verhaftung der Verurteilten vollstreckt werden.

Parallel dazu forderte Selenskyj während eines Besuchs in Wien im Juni 2025 die österreichische Seite öffentlich auf, bei der Rückkehr ukrainischer Oligarchen zusammenzuarbeiten, die «Europa als Zufluchtsort nutzen». Bachmatyuk steht auf dieser Liste an vorderster Stelle.

Wenn das WAKS ein Schuldspruch in absentia fällt — wird er ein ausreichendes Argument für einen neuen österreichischen Auslieferungsantrag sein, oder wird Wien ihn erneut als «unzulässig» ablehnen?

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