Am 9. April verurteilte der Oberste Antikorruptionsgericht Dmitri Jehorenko in Abwesenheit zu zehn Jahren Freiheitsstrafe mit Vermögenseinzug — und entließ ihn in derselben Anordnung von der Strafverbüßung wegen abgelaufener Verjährungsfristen. Formal — ein Urteil. Tatsächlich — eine Feststellung, dass das System nicht mitgekommen ist.
Was er getan hat — und warum es mehr als nur ein Bankskandal ist
Jehorenko leitete die Rodovid Bank nur ein halbes Jahr lang 2009 — mitten in der Krise, als der Staat bereits Milliarden in die Bank pumpte. Nach der Anklageversion half er damals dem ehemaligen Abgeordneten Alexander Schepelew, sich 18,45 Millionen Hrywnja über eine Scheinfirmenmiete anzueignen: Die Bank hätte angeblich ein Büro in einem Gebäude am Rylski-Gässchen 4 gemietet — das der Ehefrau Schepelews gehörte — und eine „Renovierung" dort finanziert. Tatsächlich zogen die Banker dort nie ein.
Stattdessen richtete sich in den vermeintlich renovierten Räumlichkeiten, wie damalige Medien berichteten, der Volksdeputierte Yuri Iwanuschenka sein Büro ein — bekannt als „Jura aus Jenakijwe", eine Person aus Janukowytschs Umfeld. Das Schema war klar zu erkennen: Staatsbank-Gelder — in die Tasche durch Scheinfirmenmietverträge, und das Büro — als Bonus für den Regionen-Politiker für seinen Schutz.
„Die genannte Person wird von der Strafverhängung aufgrund abgelaufener Verjährungsfristen entlastet"
— Beschluss des Obersten Antikorruptionsgerichts vom 9. April 2025
Schepelew, den die Ermittler als Organisator des Schemas bezeichneten, hat schon lange separate Urteile — unter anderem für einen Auftragsmord an einem Konkurrenten. Jehorenko war die ganze Zeit im Ausland: bereits 2019 wurde er per Interpol gesucht, sein Vermögen wurde beschlagnahmt, aber er selbst erschien nicht vor Gericht.
Zehn Jahre Ermittlungen — und null Inhaftierung
Das Verbrechen ereignete sich 2009. Vermögenseinzug — 2018. Urteil — 2025. In dieser Zeit liefen die Verjährungsfristen für schwere Verbrechen ab. Das Oberste Antikorruptionsgericht handelte nach den Normen des Strafgesetzbuches: Absatz 2 des Artikels 49 und Absatz 5 des Artikels 74 sehen direkt vor, dass eine Person von der Strafe freigesprochen wird, wenn die Verjährungsfrist vor Rechtskraft des Urteils abläuft. Das Gericht hat hier kein Ermessen — es ist verpflichtet, die Norm anzuwenden.
Aber das Problem liegt nicht beim Gericht. Laut Transparency International Ukraine wurden im Jahr 2023 21% der Angeklagten in Fällen des Nationalen Büros zur Bekämpfung der Korruption und der Generalstaatsanwaltschaft genau wegen abgelaufener Verjährungsfristen von der Verantwortung entlastet. Der Fall Jehorenko ist keine Ausnahme, sondern eine Illustration eines systemischen Versagens: Die Ermittlungen ziehen sich so lange hin, dass die Zeit zum wirksamsten Verteidiger wird.
- Der Staat gab zur Rettung der Rodovid Bank 12,35 Milliarden Hrywnja aus
- Die Bank stellte ihre volle Geschäftstätigkeit nie wieder her und wurde schließlich aufgelöst
- Keine der Schlüsselfiguren des Falls der Machenschaften von 2009 verbüßte eine echte Strafe
Erwähnenswert ist auch ein paralleles Schema: Jehorenko unterzeichnete auch einen Hinterlegungsvertrag mit einer Struktur von Dmitri Firtas „UkrGasEnergo" zu 48% pro Jahr — fast dreimal höher als der damalige Marktpreis. Die Handelsgericht erkannten den Vertrag als rechtswidrig an, aber dies hatte für die Unterzeichner keine strafrechtlichen Folgen.
Ein Urteil gibt es. Eine Strafe nicht. Was kommt als Nächstes?
Juristisch ist der Fall geschlossen. Jehorenko — verurteilt, aber frei. Das Vermögen einer Person, die jahrelang im Ausland lebt und Interpol ignoriert, praktisch zu beschlagnahmen, ist fast unmöglich.
Die Frage, die dieser Fall aufwirft: Wenn die Ukraine nicht gesetzlich die Verjährungsfristen anhalten kann, während ein Angeklagter gesucht wird — wird die Flucht ins Ausland dann nicht zur zuverlässigsten Strategie für die Korruptionäre der nächsten Generation?