Auf der Karte der ukrainischen Töpferei gibt es zwei Namen, die selbst derjenige kennt, der nie Ton in den Händen gehalten hat: Kosiv-Keramik und Sokal-Keramik. Die erste steht seit 2019 auf der UNESCO-Liste. Die zweite hat gerade den ersten formalen Schritt zu derselben Anerkennung unternommen.
Durch einen Erlass des Ministeriums für Kultur der Ukraine vom 23. Juni 2025 wurde die „Tradition und Kunstfertigkeit der Sokal-Keramik" in das Nationale Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter der Ukraine aufgenommen. Nach Aussagen von Maxym Kozytsky, Leiter der Lwiw Regional State Administration, ist dies bereits das 12. Element aus der Region Lwiw, das solch eine Anerkennung erhalten hat — zusammen mit dem Jaworiwer Spielzeug, der boykiwschen Pysanka, der Horodok-Stickerei und dem Sokal-Hemd.
Töpferei, die einmal verschwand
Sokal ist eine der ältesten Töpferstädte der Ukraine, deren Tradition bis zum 15. Jahrhundert zurückreicht. Ein charakteristisches Merkmal der lokalen Keramik sind breite Pinselstriche in Grün, Gelb und Braun auf weißem Grund, ausdrucksstarke Kompositionen mit Vögeln, Blumen und Zweigen. Einst konkurrierten die Sokal-Erzeugnisse würdig mit der Kosiv-Keramik und wurden regelmäßig in Europa ausgestellt.
Doch am Anfang des 20. Jahrhunderts verschwand das Handwerk — die Meister gingen, die Kette der Wissensvermittlung riss ab. Das, was heute als „Sokal-Keramik" bekannt ist, ist das Ergebnis einer bewussten Wiederbelebung und nicht einer ununterbrochenen Tradition. Genau deshalb betonen die zuständigen Fachleute der Regional State Administration besonders: Der Wert der Sokal-Keramik liegt darin, dass sie nicht zum ausschließlich musealen Exponat wurde, das vom lebendigen Praktizieren abgetrennt ist.
„Dies ist eine wichtige Anerkennung einer einzigartigen künstlerischen Tradition, die in einem der führenden und ältesten Töpferzentren der Ukraine entstanden ist"
— Maxym Kozytsky, Leiter der Lwiw Regional State Administration
Der nächste Schritt — Paris?
Die Aufnahme in das nationale Verzeichnis ist nicht das Endziel, sondern eine verfahrensmäßige Voraussetzung für die weitere Nominierung auf UNESCO-Listen. Die Kulturabteilung des Stadtrats von Cherwonohrad hat bereits mit der Vorbereitung der Dokumentation begonnen, um die Sokal-Keramik beim UNESCO-Weltkulturerbe einzureichen. Der Weg der Kosiv-Keramik von der regionalen Anerkennung bis zur UNESCO-Liste dauerte mehrere Jahre und erforderte eine detaillierte Evidenzbasis für die lebendige Praxis der Wissensvermittlung zwischen Generationen von Meistern.
Hier stellt sich eine grundsätzliche Frage: Die Sokal-Keramik wurde von Enthusiasten nach einem Traditionsbruch wiederbelebt — und nicht kontinuierlich vererbt. Wird die UNESCO eine rekonstruierte Tradition als gleichberechtigt mit einer lebendigen anerkennen — und hat Sokal genug aktive Träger, um das Gegenteil bis zum Zeitpunkt der Nominierungseinreichung zu beweisen?